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Dieselkraftstoff

© Thomas Gade / Mai 2015

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C.A.R.E Diesel

Der aktuelle Diesel ist eine Mischung aus konventionellem Biodiesel und Diesel aus Erdöl. Dieser Mix verbrennt mit relativ starken Emissionen und begünstigt das Auftreten der Dieselpest. Jedoch entwickelt die Treibstoffbranche neue Verfahren zur Verbesserung der Produktion und der Produkte. Das Mineralölunternehmen Neste Oyj aus Finnland stellt mit einer eigenen Technologie NExBTL („Next Generation Biomass-to-Liquid“) Biodiesel aus unterschiedlichen Rohstoffen her. Zum Rohstoffmix gehören Palmöl, Rapsöl und tierische Fette aber auch weitere Stoffe. Neste Oil produziert in Finnland, Singapur und den Niederlanden in hochmodernen Anlagen NExBTL-Diesel, der sich in mehrfacher Hinsicht vom klassischen Biodiesel unterscheidet.

Laut NESTE ist NExBTL-Diesel schwefelfrei und entspricht nicht dem herkömmlichen Biodiesel aus Fettsäuremethylester (abgekürzt FAME von englisch fatty acid methyl ester), der durch Sauerstoff verharzen kann und das Wachstum von Mikroorganismen im Diesel fördert. Mit NExBTL soll dies nicht geschehen, weil der synthetische Kraftstoff aromatenfrei ist und aus reinen Kohlenwasserstoffen besteht.

Das Unternehmen TOOL-FUEL GmbH in Wien vertreibt seinen auf NExBTL besierenden Kraftstoff unter dem Namen:

C.A.R.E.™ Diesel

Laut Hersteller übertrifft er die Qualitätsanforderungen für Dieselkraftstoffe und hat einen höheren Brennwert als konventioneller Biodiesel und fossiler Diesel. Durch seinen hohen Cetanwert und reinste Zusammensetzung ist er sehr zündwillig und hat ein besseres Brennverhalten im Motor. Seine Alterungs- und Lagerstabilität ist bedeutend höher als beim konventionellen Diesel und er ist auch bei extremen Temperaturen (> -35 °C) einsetzbar.

Sauberer Diesel

Während normaler Diesel der Wassergefährdungsklasse zwei (WKN II) zugeordnet wird, gilt C.A.R.E. Diesel als umweltfreundlicher und nur als gering wassergefährdend (WKN I). Er ist lagerstabil, glasklar, verbrennt mit geringer Rußbildung und riecht neutral. Laut Hersteller entfällt beim C.A.R.E. Diesel der typische Dieselgeruch, den viele als unangenehm empfinden. Die Motoren erzeugen weniger Schadstoffe und durch die rußfreien Abgase sollen die weißen Rümpfe der Boote beim Abgasrohr sauber bleiben.


Links: NExBTL Diesel verbrennt mit geringer Rußwirkung. Rechts: Herkömmlicher Diesel erzeugt wesentlich mehr Ruß
Foto: Neste Oil
Der Kraftstoff hat eine höhere Cetanzahl als gewöhnlicher Diesel und ist somit zündwilliger. Das sogenannte 'Nageln', laute Verbrennungsgeräusche durch eine niedrige Cetanzahl, tritt mit C.A.R.E. Diesel verringert auf.


Herkömmlicher Diesel: Wenn man beim Dieselmotor nach einer Fahrt kurz Vollgas gibt, tritt eine Abgaswolke aus.
Mit C.A.R.E. Diesel soll das nicht passieren. Im kommenden Jahr (2016) probieren wir es aus.

Keine Dieselpest mit C.A.R.E. Diesel

Für Boote und andere saisonal gefahrene Fahrzeuge mit eher geringem Verbrauch, ist Dieselpest aufgrund der chemischen Eigenschaften von C.A.R.E. Diesel nicht auftritt.

Das ist vielversprechend. Gibt es Nachteile? Kritisch betrachtet wird die Rohstoffproduktion und es besteht eine Ungewissheit über die Verträglichkeit mit älteren Dieselmotoren, insbesondere ihren Dichtungen.

Nachwachsende Rohstoffe - Kritik und Perspektive

Ein Diesel, der aus nachwachsenden Rohstoffen gewonnen wird, kann sich nur durchsetzen, wenn sie in ausreichender Menge produziert werden. In dieser Hinsicht ist der Vergleich mit Erdöl unfair, weil es aus Biomasse (Tiere, Mikroorganismen und Pflanzen) aus einem sehr langen Zeitraum über mehrere Millionen Jahre entstand. Möchte man mit nachwachsenden Rohstoffen den gesamten Kraftstoffbedarf decken, bedarf es extrem effizienter Methoden, um die benötigte Menge zu erzeugen. Heute werden In großen Plantagen öl- und fetthaltige Pflanzen angebaut. Doch neben diesen nicht unbedenklichen Monokulturen, müssen innovative Ansätze zur weniger umweltbelastenden Gewinnung von nachwachsenden Rohstoffen für Biodiesel entwickelt werden. Man kann tierische Abfälle der Schlachtereien und Fischfangindustrie verwenden, aber beispielsweise auch das Fett von Hähnchenbrätereien.

Algen als Rohstoff

Mit großer Erwartung betrachtet die Branche moderne Verfahren zum Züchten von Algen in Tanks. Dabei wird CO2 abgebaut und man kann die Wärme von Industrieanlagen zum Beheizen der Tanks nutzen. Pilotprojekte in Brasilien haben bereits bewiesen, dass so eine umweltverträgliche Produktion großer Mengen Algen möglich ist.


Palmen in einer Plantage. Foto: Neste Oil


Jatropha Plantage. Jatropha ist eine Pflanzengattung in der Familie der Wolfsmilchgewächse. Foto: Neste Oil


Foto: Neste Oil. Rohstoffe des Biodiesel: Algen, Bohnen, Bakterien, Tierische Fette, Palmöl und weitere Öl- und fetthaltige nachwachsende Rohstoffe werden zu Produktion des C.A.R.E. Diesel verwendet.

Umweltschützer halten ein wachsames Auge auf die Produktion der nachwachsenden Rohstoffe, weil beispielsweise zum Anbau der Palmen große Flächen Regenwald gerodet wurden, um Plantagen mit Monokulturen anzubauen. Wie überall in der Landwirtschaft, werden auch hier Chemikalien verwendet. Durch die Rodung des Regenwaldes geht vielen Tierarten der Lebensraum verloren. Deshalb setzt die Branche sehr auf die Produktion von Algen in Tanks. Gelingt die Algenproduktion im großen Stile, wäre dies ein echter Durchbruch. Ist zudem der daraus gewonnene Diesel emissionsärmer und insgesamt umweltverträglicher, wäre dies ein erheblicher Fortschritt.

Verträglichkeit mit Motoren

Da C.A.R.E. Diesel eben nicht vollständig dem herkömmlichen Diesel entspricht, stellt sich die Frage, ob der Kraftstoff für alle Dieselmotoren geeignet ist. Diesbezüglich wurden die Hersteller von Motoren befragt und um eine Freigabe gebeten. Insbesondere möchte man wissen, ob die Dichtungen der Dieselmotoren beim Betrieb mit C.A.R.E. Diesel undicht werden. Einige Versuche deuten darauf hin, dass ein bis zwei von 100 älteren Dieselmotoren auf Booten entsprechende Probleme entwickeln können.

Volvo Penta:

2015 erteilte der führende Hersteller von Dieselantrieben für Boote, Volvo Penta, eine Freigabe für C.A.R.E. Diesel. Damit wurde der Sportbootbranche ein wichtiges Signal gegeben.

Yanmar:

Die Meinung des zweiten großen Dieselmotorherstellers, Yanmar, kennen wir nicht, erwarten aber in Kürze eine Antwort vom deutschen Generalimporteur Marx GmbH.

Wo tanken?

Einige Beobachter des Themas erwarteten für 2015 mehrere Bootstankstellen in Deutschland, an denen C.A.R.E. Diesel getankt werden konnte. Leider bieten bislang (Oktober 2015) nur zwei deutsche Bootstankstellen in Marina an der Nordsee und Ostsee C.A.R.E. Diesel an.

Vom Betreiber der Bootstankstelle in der Marina Lanke (Berlin) erfuhren wir, dass reiner C.A.R.E. Diesel noch zu teuer sei. Ein wirtschaftlich sinnvoller Preis würde derzeit über 2 € pro Liter liegen. Der Yachtclub Accumersiel an der Nordsee verkauft den Sprit derzeit für 1,25 € pro Liter, weil man ihn zu Vorzugspreisen bunkern konnte.

Infos

Boote 2015 / 11:

Take C.A.R.E. Diesel®


SeaMagazine (SeaHelp) 1/2015

C.A.R.E. Diesel Ideal nicht nur für die Sportschifffahrt


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