Oxly Boote

Dieselkraftstoff

© Thomas Gade / Mai 2015

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Dieselpest - Vorbeugen

Kontrolle des Diesels

Muss es erst zum Motorausfall kommen, bevor man die Dieselpest an Bord entdeckt? Eigentlich nicht, denn man kann den Befall durch das Betrachten einer Probe vom Tankboden selber feststellen. Um sie zu entnehmen löst man vorzugsweise einen Deckel auf der Tankoberseite. Dazu gehört die Halterung des Füllstandsgebers oder die Platte, an der das Rohr zum Absaugen befestigt ist. Mit einem Schlauch, an dem zur besseren Führung ein längeres dünnes Rohr befestigt ist, das mindestens von der Oberseite des Tanks bis auf seinen Grund reicht, wird etwas Diesel abgesaugt. Man kann sofort erkennen, ob der Diesel klar ist oder trübe dunkle bis olivgrüne Bestandteile enthält, die sich nach einer Weile wieder absetzen.

Die Firma Schülke & Mayr bietet das Testkit 'mikrocount® fuel' zur Prüfung des Diesels an. Am besten geschieht dies, wenn der Diesel bereits einige Zeit im Tank war. Es macht wenig Sinn, gleich nach dem Tanken von frischem Diesel eine Probe zu entnehmen, die beim Test nur eine geringe oder gar keine Kontamination aufweist, während auf dem Boden des Tanks eine mehrere Zentimeter hohe Schicht Bioschlamm vorhanden ist. Stehen die Boote im Winter mit vollem Tanks an Land, ist ein Test einige Tage vor dem zu Wasser lassen empfehlenswert, weil man einerseits dann noch die Möglichkeit hat, den Tank und den Treibstoff an Land zu reinigen und andererseits gewährleistet ist, dass die Feststellung des Grads der Kontamination nicht durch frisch eingefüllten Diesels verfälscht wird.

Alternativ bietet Sea-Help ein Probenset an. Es enthält einen 3,5 Meter langen Schlauch mit einem Gewicht, eine handelsüblichen Spritze, eine Flasche für die Probe und eine Verpackung zum Verschicken. Im Preis enthalten ist die Untersuchung der Probe in einem Labor.

Testkits zur Feststellung von Mikroorganismen im Treibstoff

  Schülke & Mayr GmbH
mikrocount® fuel
Sea-Help
Probenset

Preis

einzeln: 30 €
5er Pack: 125 €

119,- €
Verwendbarkeit 1x 1x

Bei langer Standzeit des Kraftstoffs ist ein jährlicher Check ratsam. Beim Kauf eines gebrauchten Bootes oder Wohnmobils mit Dieselantrieb sollte man einen Test machen.

Biozide

Seit langem gibt es Additive, die dem Diesel während Tankens beigemengt werden. Dazu gehören Biozide, die das Wachstum von Mikroorganismen im Treibstoff hemmen. Sea-Help empfiehlt den Zusatz Diesel Plus. Unter Bootsfahrern hat Grotamar 82 einen guten Ruf, das auch von der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger verwendet wird.

Seit 1976 gibt es Grotamar 71 von Schülke und Mayr in Norderstedt. 2011 wurde es durch Grotamar 82 abgelöst. Die Dichte des älteren Additivs war geringfügig höher als die des Kraftstoffs, jedoch geringer als die des Wassers. Daher wirkte Grotamar 71 bei nicht perfekter Vermischung mit dem Treibstoff vor allem in den unteren Schichten des Diesels. Bei fossilem Diesel ohne Beimengung von Biodiesel war dies sinnvoll, weil Mikroorganismen vor allem in der Grenzschicht zwischen dem Wasser und Treibstoff angesiedelt waren. Grotamar 82 verteilt sich gleichmäßiger im Dieselkraftstoff und ist somit besser für Gemische aus fossilem Diesel und Biodiesel geeignet. Die Verwendung von Bioziden zum Abtöten der Mikroorganismen ist bei stark kontaminiertem Treibstoff riskant. Die abgetöteten Mikroorganismen sind ihrerseits Nahrung für neue Mikroorganismen. Haben sich an den vertikalen Tankwänden Bewuchs gebildet, kann dieser durch Biozide sterben und die Haftung mit der Wand verlieren. Dann treiben die Stoffe im Diesel und setzen sich im besten Falle nach unten ab, wo sie die Schichtdicke des Bioschlamms erhöhen und somit auch die Wahrscheinlichkeit, dass ungewünschte Stoffe durch das Ansaugrohr für Treibstoff in Richtung Motor bewegt werden. Deswegen muss bei starkem Auftreten von Bioschlamm eine Tankreinigung vorgenommen werden. Biozide können Bioschleim nicht auflösen, jedoch den Kraftstoff als Lebensraum für Mikroorganismen vergiften.

Biozide - Umweltverträglichkeit und Resistenz

Mineralölkonzerne lehnen die generelle Beigabe von Bioziden in die Kraftstoffe der Tankstellen aus mehreren Gründen ab. Beim normal genutzten PKW mit mehrfachem Wechsel des Tankinhalts im Laufe eines Jahres treten Probleme durch Mikroorganismen im Tank sehr selten auf. Die Anzahl der saisonal genutzten Antriebe mit langen Standzeiten des Diesels in Tanks, bei denen Ausfälle durch einen Befall des Kraftstoffs am häufigsten vorkommen, ist verhältnismäßig gering. Die generelle Beigabe von Bioziden verteuert den Treibstoff und stellt bei einer Massenanwendung eine erhebliche zusätzliche Belastung der Umwelt dar. Durch eine permanente Beigabe von Bioziden können Mikroorganismen eine Resistenz entwickeln; das Biozid verliert seine Wirksamkeit. Dadurch kann sich die Problematik verschärfen, weil Mittel zum Stoppen des Wachstums der Mikroorgansimen ausfallen.

Die Situation ist vergleichbar mit der Anwendung von Antibiotika bei Krankheiten. Dort wird das Auftreten von genetischen Mutationen und die Übertragung von genetischen Informationen beobachtet, durch die Resistenzgene gebildet und verbreitet werden. Daher sollen Antibiotika nur in extremen Fällen eingesetzt werden, um ihre Wirksamkeit beim Patienten zu bewahren. Mit Bioziden im Treibstoff ist es ähnlich.


Biozide gegen das Wachstum von Mikroorganismen im Dieselkraftstoff

Die nachfolgende Tabelle führt Additive auf, die dem Diesel beigemischt werden, um die Bildung von Bioschlamm zu verhindern. Wir haben die Preise durch eine Internetrecherche ermittelt. Unsere Zahlen stellen die niedrigsten Werte der aktuellen Preisspannen dar. Je nach Bezugsquelle können die Produkte erheblich teurer sein.

  Grotamar 82 ERC
Diesel Plus
Yachticon
Diesel Plus
Liqui Moly
Anti Bakterien
Diesel Additiv
Liqui Moly
Boots-Diesel-Additiv
           
Preis 1 L / 40 € *
200 ml / 20 €
1 L / 20 €
250 ml / 9 €
1 L / 34 €
500 ml / 20 €
1 L / 22 €
250 ml / 5,50 €
1 L / 25 €
Dosierung 1:4000 1:1000 1:1000 1:1000 1:1000
Dosis pro 100 L Diesel 25 ml 100ml 100ml 100ml 100ml
Kosten pro 100 L Diesel ** 1 € 2 € 3,4 € 2,2 € 2,5 €
Kosten pro 100 L Diesel *** 2,5 € 3,6 € 4 € 2,2 €  
           
           
Schockdosierung 1:1000 1:200 1:200 1:200 1:200
* Bezug unter www.grotamar-shop.de
** Bezogen auf 1 L Flasche
*** Bezogen auf kleinere Flasche

In einem Test aus dem Jahre 2009 schneidet Grotamar am besten ab:
http://www.segeln-magazin.de/dieselpest-was-tun-dieselentkeimer-im-test/981

Vorsorge

Während des Tankens soll kein Regenwasser in den Treibstoff geraten. Die Dichtungen der Tankverschlüsse sind regelmäßig zu kontrollieren; sie müssen dicht sein, damit kein Wasser eindringt.

Falls der Tank im Bodenbereich einen Abfluss für abgeschiedenes Wasser hat, ist dies gelegentlich abzulassen. Der nachgefüllte Treibstoff soll frisch sein und aus einer einwandfreien Quelle stammen. Es ist keine gute Idee, zu den ersten zu gehören, die nach der Winterpause eine Tankstelle für Boote anlaufen, denn mit großer Wahrscheinlichkeit erhält man Treibstoff, der einige Monate alt ist. Hat man einen kleineren Bootstank, der aus einigen Kanistern nachgefüllt werden kann, ist es besser, den Kraftstoff von einer stark frequentierten Tankstelle einer weltweit bekannten Marke zu beziehen.

Auch die Treibstoffkanister sind gelegentlich zu reinigen, denn normalerweise bleibt stets ein Rest Diesel darin. Die Kanister werden häufig im Kofferraum des Autos aufbewahrt, der sich im Sommer erwärmt. Dies begünstigt die Ausbreitung von Mikroorganismen. Daher sollte man bereits beim Befüllen der Kanister ein Biozid beimischen. So ist gewährleistet, dass es gut mit dem Kraftstoff vermischt wird, was wichtig ist, um ihn insgesamt ungeeignet für eine Besiedlung durch Mikroorganismen zu machen

Kondenswasser im Tank vermeiden

Im Tank soll kein Kondenswasser entstehen; dazu muss er stets randvoll sein. Das ist leichter gesagt als getan, jedoch bei langer Unterbrechung des Verbrauchs (Winterpause) zu beherzigen. Beim Endverbraucher sind teilentleerte Tanks aus Metall problematisch, die häufigen Temperaturschwankungen in einem Milieu mit relativ hoher Luftfeuchtigkeit ausgesetzt sind. Durch die Erwärmung bei Tag dehnt sich die Luft im Tank aus und entweicht teilweise beim Druckausgleich über die Entlüftung. Nachts sinken die Temperaturen, gleichzeitig zieht sich die Luft im Tank zusammen und saugt zum erneuten Druckausgleich neue Luft an, die Feuchtigkeit enthält. Durch das weitere Sinken der Temperatur kommt es an den kalten Wänden des Tanks zur Kondensation von Wasser, das in den Treibstoff tropft.

Bei Fahrzeugen mit einem hohen Kraftstoffverbrauch und kurzen Tankintervallen kommt es dadurch nicht zu einer hohen Anreicherung mit Wasser. Ein dieselbetriebenes Auto, das seinen Tankinhalt ein oder mehrere Male pro Monat verbraucht und frischem Kraftstoff versehen wird, ist somit im erheblich geringeren Maße von einer Zunahme des Wasseranteils im Diesel betroffen als ein Segelboot mit einem Hilfsmotor, der nur bei Flaute oder Manövern im Hafen zum Einsatz kommt. Die geringe Nutzung verbraucht kaum Kraftstoff, sodass sich in ihm durch den oben beschriebenen Prozess immer mehr Wasser ansammelt. Man kann Tanks thermisch isolieren, um die Temperaturschwankungen zu reduzieren und somit die Dimensionen des oben beschriebenen Prozesses. Seltsamerweise wird dies in der Literatur zum Thema nicht vorgeschlagen. Ebenso kann man bei Fahrzeugen, die längere Zeit nicht gefahren werden, an der Tankentlüftung mit einfachen Vorrichtungen dafür sorgen, dass die Feuchtigkeit kondensiert, bevor die Luft in den Tank gelangt.

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