Oxly Boote

Antifouling auf Sportbooten

Schutz gegen Bewuchs des Unterwasserbereichs

2012 / 2015 - © Thomas Gade

Fouling - Unerwünschter Bewuchs am Boot

Wenn Boote im Wasser liegen, siedeln sich in ihrem Unterwasserbereich Bakterien, Algen und Muscheln an. Obwohl die Rümpfe glatt sind, können einige Organismen gut an ihrer Oberfläche haften.

Die Bezeichnung für diesen Bewuchs lautet Fouling. Er ist aus mehreren Gründen unerwünscht. Die ursprünglich glatte Oberfläche des Rumpfes wird rau und uneben. Dadurch ist der Widerstand beim Fahren durch das Wasser höher. Man verbraucht mehr Sprit und/oder ist langsamer. Desweiteren kann der Bewuchs Schäden am Boot verursachen. Der ästhetische Aspekt ist nicht außer Acht zu lassen, denn viele Boote werden während des Winters an Land gestellt und ein vergammelt aussehender Rumpf, der durch absterbende Organismen müffelt, ist verständlicherweise nicht jedermanns Sache.

Hinsichtlich der Stärke des Bewuchses sind der Zeitraum des Verbleibs im Wasser, die Flora und Fauna des Reviers, Temperatur, Fahrgeschwindigkeit des Bootes, Fahrhäufigkeit und weitere Faktoren ausschlaggebend. Boote, die nur selten zum Fahren ins Wasser kommen und sonst an Land stehen, bedürfen in der Regel keine vorbeugende Behandlung gegen einen Bewuchs. Anders ist es bei Fahrzeugen, die während der Saison im Wasser verbleiben.


Muschelbewuchs am Propeller

Um dem entgegen zu wirken, wird die im Wasser befindliche Außenseite des Rumpfes mit sogenanntem Antifouling angestrichen, um den Bewuchs zu hemmen oder ganz zu verhindern. Antifouling enthält Giftstoffe wie Schwermetalle, Zinn und Kupfer, aber auch Teflon. Zur Vermeidung einer Schwermetallbelastung der Gewässer wurden einige wirksame, aber besonders umweltbelastende Antifoulings verboten. Aber noch werden kupferhaltige Bestandteile verwendet. Die Industrie forscht nach verträglicheren Alternativen.

Die Wirksam einer Rezeptur ist unter anderem abhängig von dem Fahrprofil der betreffenden Boote. Werden sie häufig und schnell gefahren, anstelle von langsam und selten, bewirken die mechanischen Kräfte des Reibungswiderstandes eine teilweise Ablösung des Bewuchses.

Es gibt Antifoulings, die speziell für schnell fahrende Boot entwickelt wurden. Dabei wird der Anstrich allmählich in dünnen Schichten abgewaschen und mit ihnen der darauf befindliche Bewuchs. An einem behäbigen Verdränger macht der Einsatz dieser Substanz wenig Sinn. Hier sind Anstriche erforderlich, die ohne zusätzliche mechanische Einflüsse wirken.

Die Standard-Antifoulings sind kein dauerhafter Schutz. Sie halten ein oder zwei Jahre, dann ist eine Reinigung oder ein Anschliff des Unterwasserschiffs nötig, bevor der nächste Anstrich aufgetragen wird. Es gibt Produkte, die unter Umständen einen längeren Schutz bieten.


1994. Spreewald - Schutzanstrich eines Holzkahns mit einer teerartigen Substanz
Aus Umweltschutzgründen sind diverse alte Anstriche mittlerweile verboten.

Reinigen oder Schleifen?

Alle ein bis zwei Jahre wird der Antifoulinganstrich aufgefrischt. Das Procedere ist einfach. Im Herbst wird das Boot aus dem Wasser geholt und im Unterwasserbereich mit einem Hochdruck-Wasserreiniger vom Bewuchs befreit. Das dauert einige Minuten. Jedoch sollte man den scharfen Strahl nicht auf empfindliche Teile richten, wie Balgen am Z-Antrieb. Danach ist das Boot sauber bis auf einige Muscheln, die mit einer Bürste beseitigt werden. Es ist wichtig, diese Reinigung rasch nach dem Anlandholen durchzuführen, denn ist der Bewuchs erst einmal eingetrocknet, lässt er sich ohne Hilfsmittel nicht mehr leicht entfernen.

Falls man das versäumt, ist Algenol das richtige Mittel. Es wird in Wasser eingerührt. Man tränkt einen Quast mit der Flüssigkeit und pinselt den angetrockneten Bewuchs ab. Anschließend sprüht man das Boot mit Wasser aus dem Gartenschlauch ab. Das geht schnell und ist effektiv. Den angetrockneten Belag mit einem Schwamm und reinem Wasser abzureiben, dauert lange und gelingt nie so gut. Auch ein bereits im Herbst gereinigter Rumpf wird im Frühjahr vor dem Antifoulinganstrich noch einmal abgesprüht und mit einem feuchten Lappen abgerieben. Nach dem Trocknen kann ein neuer Antifoulinganstrich ohne weitere Vorbereitung erfolgen. Das Anschleifen kann man sich meistens schenken.



VC 17m Dünnschicht Antifouling auf Kupferbasis

VC 17m von International ist ein beliebtes Antifouling. Es wird in einer Dose mit einer Flüssigkeit und unter einem zusätzlichen Plastikdeckel mit einer Tüte Kupferstaub geliefert. Vor dem Verstreichen muss dieses Pulver gründlich mit der Flüssigkeit vermischt werden. Das sollte man an einem windgeschützten Ort vornehmen, weil der feine Staub sonst davongeblasen wird. Zudem trägt man Latexhandschuhe, um die Haut vor den Substanzen zu schützen.


Einrühren des Kupferstaubs in International VC 17m Antifouling
Dabei hat man Handschuhe zu tragen und nicht so ungeschützt mit den Substanzen zu hantieren!

VC 17m ist sehr ergiebig. Eine 750 ml Dose reicht aus, um das Antifouling eines sieben Meter Bootes aufzufrischen. Das gelingt mit einer guten Schaumrolle. Auf keinen Fall verstreicht man VC 17m großflächig mit Pinseln, denn damit kommt man nicht weit. Pinsel saugen sich mit dem Antifouling voll, das schnell hart wird.

Die Rolle ist viel effektiver und mit einem Pinsel behandelt man zum Schluss nur kleinere, für die Rolle unerreichbare Stellen.


Der Film zeigt, wie VC17M vorbereitet und aufgetragen wird. Aber man muss Schutzhandschuhe tragen und darf das nicht mit bloßen Händen machen.

F18 Dünnschicht Antifouling auf Kupferbasis


Nutic
Anzeige: Bootszubehör im Bauhaus Nautic

Wegen seiner guten Wirksamkeit und relativ einfachen Handhabung ist VC 17m für viele Boote bestens geeignet. Es hat zwei Nachteile. Einmal das Einrühren des feinen Kupferstaubs und zweitens seinen Preis. Eine 750 ml Dose kostet mittlerweile bis zu 42 €. Das ist happig.


F18 Dünnschicht Antifouling. Die preiswerte Alternative

Alternativ finden Sparfüchse in der Nautic-Abteilung vom Bauhaus ein Dünnschicht-Antifouling auf Kupferbasis mit der Bezeichnung F18, das in gleicher Menge 29 € kostet. Ein Liter reicht für 11 m². F18 Antifouling ist für Segel- und Motorboote mit Geschwindigkeiten bis 50 Knoten geeignet, jedoch nicht für Rümpfe aus Aluminium. Nach einer Stunde ist der Anstrich durchgetrocknet.
F18 Dünnschicht Kupfer Vc 17m Dünnschicht Kupfer
Hersteller Unklar, produziert vom Bauhaus International
Preis pro 750ml 29,- € 40,- €
Preis große Dose 89,- € pro 2,5 Liter 99,- € pro 2 Liter
Reichweite 11 m² pro Liter 11 m² pro Liter
Trockenzeit laut Hersteller 1 Stunde 15 Minuten
Fabe nach Anstrich Kupferglanz Kupferglanz
max. Geschwindigkeit 50 Knoten 50 Knoten
nicht zugelassen für Aluminiumrumpf Aluminiumrumpf

Im Ggensatz zum VC 17m muss man keinen Kupferstaub einrühren. Er befindet sich bereits in der Dose. Vor dem Verstreichen muss der Inhalt gründlich gerührt werden. Am Boden ist eine dickere Masse unter einer sehr dünnen Flüssigkeit. Beides wird sorgfältig vermischt. Anschließend ist das F18 Dünnschicht Antifouling hinsichtlich seiner Konsistenz, Farbe und Eigenschaften nicht vom VC 17m zu unterscheiden. Es hat dieselbe Ergiebigkeit. Der Rumpf hat anschließend die gleiche Farbe und die Wirkung ist dieselbe.



Die Schaumrolle zum Lackieren muss nicht teuer sein. Allerdings sind jene aus Billigläden, die drei Stück mit Griff für einen Euro verkaufen, praktisch unbrauchbar, weil sich die Schaumstoffrollen rasch von ihrer inneren Hülse lösen. Im Baumarkt gibt es perfekte 10 cm Schaumstoffrollen ab einen Euro, die lange halten.

Zum Auffrischen eines Antifouling-Anstrichs eines üblichen Bootsrumpfes bis sieben Meter Länge benötigt man eine 750 ml Dose F18 Dünnschichtantifouling, eine oder zwei kleine Schaumstoffrollen mit Halter, eine Farbwanne, einen kleinen Pinsel, einige farbdichte Einweghandschuhe und Lappen. Wer sich nicht zutraut, am Wasserpass freihändig zu arbeiten, klebt die Kante ab. Zum Schluss entsorgt man die Dose, die verbrauchten Rollen, Handschuhe und den Pinsel.


Propeller und Metall der Ruderanlage mit Antifoulinganstrich

Coppercoat

Viele Bootseigner tragen Antifouling jährlich auf. Alternativ gibt es Produkte, die einen mehrjährligen Schutz gewährleisten. Dazu gehört Coppercoat. Es besteht zu einem wesentlichen Anteil aus Epoxydharzen und härtet zu einem festen und mechanisch belastbarem Überzug aus, der zusätzlich die Funktion des Gelcoats als Feuchtigkeitsbarriere zwischen dem Laminat und Wasser verstärkt oder übernimmt. Von diesem Schutz profitieren auch Stahlboote. Durch einen hohen Kupferanteil wirkt Coppercoat bis zu 10 Jahre als Antifouling.

Vor dem Auftrag von Coppercoat muss das Boot von alten Antifoulinganstrichen anderer Machart befreit werden. Die Anwendung dieses Antifoulings ist teurer und aufwendiger als üblich, doch rechtfertigt der zehnjährige Schutz den Aufwand.

Holz, GFK und Metall

Welches Antifouling ist das richtige? Die Ratschläge in den Foren gehen weit auseinander und verwirren mehr als sie nützen, weil man zwischen den richtigen Tipps und falschen Aussagen kaum unterscheiden kann. Nach dem Kauf eines gebrauchten Bootes ist es ratsam den Vorbesitzer zu fragen, mit welchem Mittel er sein Boot behandelt hat. Die verschiedenen Antifoulings sind nicht immer miteinander kompatibel. Ist das frühere Antifouling unbekannt, sollte ein erfahrener Bootskollege einen Blick darauf werfen. Am besten erkundigt man sich bei erfahrenen Bootsfahrern in eigenen Revier nach Mitteln, die sich dort bewährt haben.

GFK verträgt sich mit vielen Antifoulings. Jedoch kann die Substanz von Metallrümpfen durch Metalle im Antifouling angegriffen werden. Auf den Dosen der verschiedenen Sorten stehen entsprechende Hinweise und Verarbeitungsvorschriften.

Die Behandlung von Holzbooten ohne GFK-Überzug scheint komplizierter zu sein, weil Holz während der Zeit im Winterlager trocknet und schrumpft. Im Wasser quillt das Holz wieder, bis es wasserdicht ist. Wer ein total trockenes Boot mit 1mm Luft zwischen den Leisten von unten mit Grundierung und dann mit Antifouling behandelt, der streicht logischerweise auch Farbe ZWISCHEN die Leisten. Das sollte man vermeiden, denn es behindert ein Zuquellen mit gutem Zusammenschluss.

Die Kraft des Holzes beim Quellen ist so gross, dass der Farbüberschuss herausgedrückt werden kann. Dann liegen tatsächlich kleine Würstchen exakt auf den Fugen und das Boot sieht aus wie die Streifen-Haut eines Walfisches.

Deshalb wird deckend gerollt und nicht mit dem Pinsel Farbe nachgedrückt. Wenn das Holz quillt, pressen sich die Leisten ganz eng zusammen. Somit entsteht ein zusammenhängender Antifoulinganstrich. Wenn das Boot austrocknet, dann reisst das Antifouling an einigen Stellen, was aber kein Problem ist, denn es schliesst sich beim Quellen exakt wieder an den Rissstellen.



Der neue Anstrich glänzt kupferfarben.

Über den Sinn der Behandlung der Metallteile des Ruders und des Antriebs mit Antifouling gehen die Meinungen auseinander. Manche warnen vor verstärkter Korrosion durch Elektrolyse, die durch verschiedene Metalle verursacht wird.

Kommentare

Ingrid / 25. März 2015 at 12:19

Wir verwenden F18 seit einigen Jahren. Anfangs zögerten wir, weil nicht klar war, ob es sich mit den bisherigen VC 17m Anstrichen vertrug. Doch kann man sie problemlos übereinander streichen.
LG Ingrid


Speedsail 25. März 2015 at 12:46

In einigen Bauhäusern wurden F18 Produkte vor kurzem sehr billig abverkauft, weil der Hersteller wechselte. F18 aus der alten Produktion wurde für 10 € die Dose abgestoßen. Ich wünsche euch eine gute Saison. Sören