Oxly Boote

Brandenburg - Wassersport

Zitty-Spezial Brandenburg 2011


Wasserwandern. Gelegentlich bringt ein Verlag ein Buch heraus, um Berlinern Ausflüge in ihre ländliche Umgebung schmackhaft zu machen. Hoch im Kurs stehen Naturführungen, Fahrradtouren und das Wasserwandern im Kanu oder im Motorboot. Segelboote sind dafür nicht so geeignet und kommen eindeutig zu kurz. Diesmal ist es das ‘zitty-Spezial Brandenburg 2011'

Das vollformatige Foto auf der Titelseite zeigt ein rotes Faltboot mit zwei Insassen, die auf einem Fließ im Spreewald paddeln, womit einer der Schwerpunkte, ‘Wasserwandern’, angedeutet wird. In zwei Beiträgen berichten die Autoren über ihre Erlebnisse im Motorboot.



Von Felix Denk stammt ein Artikel, in dem er eine Fahrt auf dem Gudelacksee beschreibt. Seine Begleiterin und er leihen sich beim Bootsverleih Lindows ein Motorboot und müssen zunächst das Ablegemanöver meistern. Danach findet eine geruhsame Fahrt statt, an derem Ende das Anlegemanöver zu überwinden ist. Offenbar hat die Besatzung keine Erfahrung mit der Bedienung des Motorbootes, aber dennoch Freude daran.

Eine zweite Mannschaft, zwei Frauen und ein Mann, chartern beim Floßverleih in Zehdenick ein Floß mit kleiner Hütte und begaben sich auf eine zweitägige Tour mit Übernachtung an Bord. Obwohl die Überschrift lautet: “Hausboot: Huckleberry-Fin-Gefühle auf der Havel” befaßt sich der Artikel eher mit den modernen Befindlichkeiten der Besatzung. Von Chips und Rotwein ist die Rede, von der Gewöhnung an die Lenkung und Schwierigkeiten beim Anlassen des Motors. Der Stoff gäbe mehr her als den etwas schulklassenaufsatzmäßigen Artikel, unter dem die Kürzel von drei Autoren stehen. Tom Sawyer und Huckleberry Finn hätten sich ungerne im Kontext nennen lassen.

Immerhin erfahren wir eher zwischen den Zeilen, dass in Brandenburg motorisierte Fahrten ohne einen Sportbootführerschein Binnen zu machen sind. Entweder gilt der Motor als führerscheinfrei oder es gibt den Charterschein, der eigentlich auf einer dreistündigen Einweisung beruht, die wohl selten so lange dauert. Time is money gilt auch hier. Auf bestimmten Gewässern darf man dann ein Motorboot fahren, was im Zuge der Tourismusförderung hingenommen wird. Daraus sollte man eigentlich eine Lehre ziehen: Boote des Typs Verdränger (also langsame Boote) bis 8 Meter Länge sollten in ruhigen Revieren grundsätzlich nach einem Crashkurs gefahren werden dürfen ohne das lästige Getue um einen Führerschein.

Obwohl nicht mehr in Brandenburg gelegen, wird die Müritz sowie die Mecklenburgische Seenplatte im Allgemeinen in diese Ausgabe einbezogen. Wir erfahren von der Existenz eines Fischers und Bootsverleihers, genannt ‘Hechtkönig der Müritz’ und weiteres, was Appetit auf einen Ausflug in die Gegend verbreitet.

Hinten im Zitty Spezial ist ein kleineres Heft zum Herausnehmen beigefügt. Der ‘Atlas Brandenburg’ mit dem Titelzusatz ‘Das ganze Land auf 40 Seiten’ enthält nützliches Kartenmaterial im handlichen Format. Darin befindet sich eine Übersicht über das Liniennetz des Regionalverkehrs (vbb-Streckennetz) nebst einigen regional gegliederten Tipps unter den Stichworten ‘Action’, ‘Kultur’ und ‘Essen & Trinken’, die natürlich sehr unvollständig sind.

Für Wasserwanderer, die das Bundesland mit ihrem Motorboot, erkunden wollen, ist vor allem die Übersicht über den Regionalverkehr interessant, denn man kann mit dem Wetterbericht und einer Übersicht über seine freien Tage, Streckenabschnitte planen und das Boot als Gastlieger in anderen Marinas lassen, was kein Problem ist, wenn in den Orten eine Station der Regionalbahnen vorhanden ist. Das gilt insbesondere für Berliner, die mitten im Bundesland Brandenburg und zugleich im Zentrum den Schienennetzes wohnen.

Als Ergänzung zu einer richtigen Gewässerkarte ist diese Spezialausgabe des Zitty Berlin empfehlenswert, um mehr über das Land und seinen Sehenswürdigkeiten zu erfahren. Wirklich wichtige und nützliche Tipps zur Organisation eines Törns findet man nicht darin, eher Infos darüber, wo was los ist. Da sich auf den Berliner und Brandenburger Gewässern immer mehr ausländisch geflaggte Boote befinden, wäre eine englischsprachige Ausgabe schön.