Oxly Boote

In den Wanten der Gorch Fock

Thomas Gade © Januar 2011

Schmuck sieht sie aus unter Segeln, wie alle Windjammer, die romantische Empfindungen wecken. Doch die Arbeit an Bord eines Segeschiffes ist etwas für ganze Kerle, die den damit verbundenen Belastungen gewachsen sind. Kein Kapitän eines der alten Segelschiffes hätte zugelassen, dass eine zierliche Frau in die Masten geschickt wird, um schwere Segel zu bergen. Vor dem Aufkommen der motorisierten Schiffe, als viele großen Segler die Meere befuhren, gab es Seeleute, die als Schiffsjungen anfingen und entweder in den Beruf hineinwuchsen oder nicht. Wer es tat, musste Muskeln entwickeln, Verletzungen und Schmerzen wegstecken und wurde ein kräftiger Kerl, mit dem man sich besser nicht anlegte. Das waren drahtige, wendige und durchtrainierte Typen mit kräftigen Pranken. Es gab viele davon. Man lese alte Schifffahrerliteratur, um sich ein Bild zu machen. Unterhaltsam und gut geeignet ist das 'Tagebuch' von Graf Luckner. Wer eine bebilderte Ausgabe bekommt, achte auf die Statur, insbesondere die Oberarme der Seeleute.

Warum meint die Bundesmarine, so etwas mit ihren Offiziersanwärtern machen zu müssen? Wenn es darum geht, ihnen Teamgeist beizubringen und sie zeitweilig ein Leben ohne Privatsphäre führen zu lassen, um sie charakterlich zu formen, gibt es andere Wege dieses zu tun. Das Segeln auf einem modernen, hochseetauglichen Segelboot, bei dem das Erklimmen eines Mastes nicht oder nur selten von einzelnen notwendig ist und wenn, dann unter Absicherung, ist eine vollkommen ausreichende Methode zum Vermitteln des mühseligen und koordinierten Hantierens mit den Tampen, des Erlernens und der Anwendung von nautischen und meteorologischen Grundlagen und dem Aufbau von körperlichen Kräften sowie der Verbesserung des Durchhaltevermögens. Zusätzlich gehört Sport zum Dienstplan. Seemannschaftliche und soziale Kompetenzen und körperliche Kräfte sowie eine Verbesserung des Durchhaltevermögens kann man auch anders aufbauen.

Der Name der Gorch Fock geht auf den Finkenwerder Schriftsteller Johann Kinau zurück, der sich so nannte und das bekannte Buch "Seefahrt tut not!" geschrieben hatte. Man sollte das Schiff nicht einmotten. Es ist ein schöner Repräsentant unseres Landes und wird in den fremden Häfen die nötige Aufmerksamkeit erhalten. Als Element der Diplomatie sowie als Wahrer einer fast vergangenen seemännischen Tradition sollte man sie erhalten und weiter um die Welt segeln lassen. Freiwillig auf ihr dienende und geeignete Besatzungsmitglieder wird man ohne weiteres innerhalb der Bundesmarine rekrutieren können aber eine Mutprobe für angehende Offiziere oder ein Beförderungskriterium sollte sie nicht sein. Unter den Marinesoldaten in seemännischen Verwendungsreihen wird es immer genügend geben, die freiwillig auf ihr Dienst tun wollen und nicht nur aus Furcht, keine Offizierslaufbahn antreten zu können, sich die Wanten empor zu zwingen, auch wenn sie dafür die falschen Leute sind. Die meisten Führungspositionen in der Bundesmarine setzen mit Sicherheit nicht voraus, dass man im Segelbetrieb der Gorch Fock hoch im Mast seinen 'Mann' stehen kann.'

YouTube hat eine schöne Doku zum Thema: