Mann ertrinkt im Tegeler See
2025 © Thomas Gade
Am 13. August 2025 herrschten 32 Grad Celsius am Tegeler See in Berlin. Endlich Sommer nach einem durchwachsenen Juli. Die Sonne brannte vom Himmel und zahlreiche Boote lagen entlang der Inseln oder am Ufer vor Anker. Einige Boote waren unterwegs, ebenso wie viele Stand-up-Paddling-Boards. Die Schulferien waren noch nicht vorbei, und die Badestrände entsprechend gut besucht.
Ich hatte mein Boot am südöstlichen Ende der Insel Scharfenberg geankert, las ein Buch und ging mehrmals schwimmen. Vor der Sonne schützten mich einige weiße Tücher sowie das Verdeck meines Bootes. Ohne diesen Schutz wäre die Hitze kaum auszuhalten gewesen. Am Nachmittag legte ich mich hin, um ein wenig zu dösen. Plötzlich hörte ich Rufe. "Hilfe, Hilfe, Hilfe …!" Es war nicht sofort klar, ob es sich um einen echten Notfall handelte oder nur um das ausgelassene Geschrei von Jugendlichen beim Baden. Ich richtete mich auf, griff nach meinem Fernglas und begab mich in die Plicht, um die Umgebung abzusuchen. Einen halben Kilometer entfernt entdeckte ich ein kleines Motorboot, neben dem eine Person im Wasser trieb. Erstaunlich, dass die Rufe bis hierher zu hören waren.

Eine Frau auf dem Boot zog einen halbwüchsigen Jungen aus dem Wasser. Die Hilferufe verstummten, doch weiterhin war aufgeregtes Geschrei zu hören. Einige Boote in der Nähe hatten sich der Stelle genähert und blieben dort. Ich entdeckte auch das Boot eines Kollegen aus meinem Hafen. Kurz darauf hörte ich das Martinshorn der Wasserschutzpolizei. Ein Einsatzboot näherte sich mit hoher Geschwindigkeit und passierte mein Boot. Es verursachte kräftige Wellen, bevor es das Motorboot erreichte, auf das der Junge gezogen worden war. Ich fragte mich, warum die Polizei es so eilig hatte, denn der Junge war doch bereits gerettet.

Von meiner Position aus war nicht zu erkennen, was genau vorgefallen war. Dann erschien jedoch ein Boot der Feuerwehr. Ein Hubschrauber des ADAC flog heran und kreiste über der Stelle. Später traf ein weiteres Boot der Wasserschutzpolizei ein und sogar das große Feuerwehrschiff kam hinzu. Am Ufer des Tegeler Sees waren immer mehr Blaulichter der Feuerwehr erkennbar. Es wurde deutlich, dass es nicht nur um den Jungen gehen konnte, der aus dem Wasser gezogen worden war. Das Ausmaß des Dramas war wohl größer.

Tatsächlich war eine weitere Person beteiligt, die untergegangen und nicht mehr zu sehen war. Die Einsatzkräfte versuchten, sie mit Tauchern und spezieller Ortungstechnik zu finden, jedoch ohne Erfolg. Die Suche wurde auf ein größeres Gebiet ausgeweitet. Im August ist die Sicht im Tegeler See durch Algen auf 1 bis 2 Meter begrenzt. Das sind keine guten Voraussetzungen, um eine ertrunkene Person zu finden.
Aufgrund der geringen Strömung im See war es schwer vorstellbar, dass die vermisste Person weit abgetrieben sein konnte. Die örtlichen Einsatzkräfte kannten die Gegebenheiten jedoch besser als ich.
Das Gebiet wurde für Ausflugsdampfer gesperrt, und die Wasserschutzpolizei forderte auch die Sportboote auf, sich zu entfernen, um die Taucher nicht zu gefährden. Um etwa 19.30 zogen die Einsatzboote ab.
Später berichteten die Medien über den Vorfall. Drei Personen hatten ein kleines offenes Motorboot gemietet, das ohne Führerschein gefahren werden durfte, und waren damit auf den Tegeler See hinausgefahren. Bei den hohen Temperaturen waren sie der prallen Sonne ausgesetzt. Berichten zufolge bekam der Junge Kreislaufprobleme und fiel ins Wasser. Sein 23-jähriger Bruder sprang hinterher, um ihn zu retten. Die 22-jährige Frau im Boot konnte den 14-jährigen Jungen aus dem Wasser ziehen, doch der ältere Bruder tauchte nicht wieder auf. Warum er unterging, ist unklar.
Am nächsten Tag, dem 14. August 2025, gegen halb sechs am Abend, wurde die Leiche des Mannes zwischen den Inseln Reiswerder und Scharfenberg gefunden. Ein tragisches Unglück, das deutlich macht, wie wichtig Rettungsmittel und Badeleitern sind. Man kann von einem kleinen Konsolenboot ins Wasser fallen oder freiwillig hineinspringen, um zu baden. Der Wiedereinstieg muss dann einfach möglich sein. Die Frau konnte den Jungen an Bord ziehen, aber bei einem erwachsenen Mann wäre ihr das vermutlich nicht gelungen.

Wohl das gemietete Boot, aus dem zwei Menschen in den Tegeler fielen, am Schiff der Wasserschutzpolizei mit der Kennung "15 WSP ALK" (ALK bezieht sich auf einen Vogel und nicht auf Alkohol) während des Sucheinsatzes. Es trug das Kennzeichen B-1648 V und sah aus wie eines der Boote der Bootsvermietung am Tegeler See in der Gabrielenstraße 77, 13507 Berlin, des Typs CAP 370 oder 400, die mit einem Außenborder unter 15 PS motorisiert sind, um an Kunden ohne Führerschein vermietet werden zu dürfen.

Bootsvermietung am Tegeler See
Auf solchen Booten müssen Schwimmwesten vorhanden sein und bei Verleihern liegen sie auch aus, doch ob sie getragen werden, liegt in der Verantwortung der Nutzer, die häufig darauf verzichten. Sie können bei Bedarf auch einer Person im Wasser zugeworfen werden. Dafür wäre ein Rettungsring mit stärkerem Auftrieb ev. besser. Rettungsmittel müssen in einer Person-über-Bord-Situation schnell greifbar sein. Ich habe an diesen Booten noch nie Badeleitern gesehen, die den Wiedereinstieg erleichtern. Ob Bootsverleiher eine mitgeben, weiß ich nicht.
CAP 370 / 400 von Rigiflex

Die CAP 370 hat ein Gewicht von 130 Kilogramm ohne Motor und misst in der Länge 3,70 Meter. Sie ist für bis zu fünf Personen ausgelegt. Die CAP 400 ist vier Meter lang und bringt ohne Motor etwa 200 Kilogramm auf die Waage. Ihre maximale Kapazität liegt angeblich bei sieben Personen.
Meiner Einschätzung nach handelt es sich bei beiden Modellen eher um kleine Angelboote, die sich höchstens für zwei Erwachsene eignen. Alternativ könnten sie als Beiboote dienen, etwa für die kurze Strecke vom Ankerplatz zum Ufer. Auffällig ist das niedrige Freibord, also der geringe Abstand zwischen der Wasseroberfläche und dem oberen Rand des Bootes. Gleichzeitig ist dieser Rand so hoch, dass es schwierig ist, sich aus dem Wasser zurück an Bord zu ziehen. Deshalb sollte eine Badeleiter an Bord sein. Bei starker Beladung, insbesondere wenn mehr als zwei Erwachsene an Bord sind, steigt die Anfälligkeit gegenüber Wellen, die ins Boot schlagen können. Aus Sicherheitsgründen sollte man mit solchen Booten nur bei ruhigem Wetter und geringer Wellenhöhe unterwegs sein.
An heißen Sommertagen kann ein Biminiverdeck für Schatten sorgen. Zwei Klammern und ein Tuch bieten seitlich einen zusätzlichen Sonnenschutz.