Weg mit dem Lichtmast!
26. 4. 2012Manche mögen hölzerne Lichtmasten auf Booten. Die meisten sehen gammelig aus und das Thema 'Haltbarkeit des Holzanstrichs auf Booten' möchte ich hier gar nicht aufgreifen. Mein Boot hat vorne eine äußerst praktische Luke, die einen bequemen Ein- und Ausstieg ermöglich ohne achtern die Persenning öffnen zu müssen. Sie enthält sogar eine Fensterscheibe, die bei geöffneter Luke genau parallel zur Scheibe am Steuerstand verläuft, sodaß man gut hindurchblicken kann. Wenn dort nicht der Mast wäre, der das verhindert. Bei Fahrt an warmen Tagen ist der Luftzug durch die geöffnete Klappe angenehm, doch die halb hochstehende Luke und der Mast behinderten die Sicht.
Die Aufgabe lautete: Austausch des alten Lichtmastes gegen eine dezentere Halterung für die Lichter und das Horn am Fensterrahmen des Bootes. Grund: Der ursprüngliche Mast verhinderte das Senken der geöffneten Einstiegsluke und behinderte die Nutzung des Kabinendaches.
Lichtmast im Weg. Die Klappe geht nicht ganz auf.
An sich war das keine große Herausforderung. Benötigt wurden zwei Halter, eine Querleiste, die Lampen, das Horn, vieradriges Kabel, wasserdichter Stecker, Schrumpfschlauch, Lack und Werkzeuge. Auf Sportbooten war alles anders als im Haushalt. Die Geräte liefen mit 12 Volt aus der Autobatterie. Die passenden Dinge gab es im Bootshandel zu gesalzenen Preisen. Das mit weißem Licht im 225° Winkel nach vorne strahlende Topplicht kostete bis zu 100 €. Mein Exemplar schlug mit 31 € zu Buche, das Ankerlicht, ein einfacher Stab mit dem Lämpchen oben drauf, mit 39,- €, das Horn stammt vom alten Lichtmast, desgleichen der Stecker. Pinsel und Lack, Kleinteile, passende Halter und das Querholz sorgten dafür, dass die 100 € überschritten werden. Angesichts des Endprodukts mochte man das kaum glauben.
Nach und nach trudelten die bestellten Teile ein. Ich erinnerte mich an einen Elektronikladen in Charlottenburg. Dort gab es fünfadriges Kabel, Schrumpfschlauch und ein paar weitere Kleinigkeiten, die in den Baumärkten nicht zu finden waren. Unerwarteterweise hatte das gelieferte Topplicht eine andere Kabelverbindung als die Lampen, die in der Nautik-Abteilung eines Bauhauses zu sehen waren oder an meinem alten Lichtmast montiert waren. Zwei Flachstecker fehlten noch (eine weitere Fahrt zum Elektronikladen ...). Wie bekam man das wasserdicht? Das Topplicht befand sich im Freien. Diese Frage führte zu Erstellung einer Halterung aus Holz anstelle der ursprünglich gedachten zwei kleinen Metallwinkel. Schließlich wurden die Kabelenden in der Lampe verlötet, anstatt die Flachstecker zu verwenden. Mit Klebstoff und mehreren Lackschichten wurde Vertrauen in die Wasserdichtigkeit der Konstruktion geschaffen. Allmählich gewann der Schrumpfschlauch eine immer größere Bedeutung.
Bastelei in der Wohnung – I – Wo ist die passende Schraube?
Bastelei in der Wohnung – II – Der Küchentisch wird zur Ablage
Das Ankerlicht, eine pfiffige teilbare Konstruktion, hatte laut Angebot eine andere, nämlich schlankere versenkbare Fassung und entgegen der Zeichnung eine leichte Neigung am Sockel, der die ursprüngliche Idee, ein 2cm dickes Loch durch die Querleiste zu bohren, die Fassung darin zu versenken und zu verschrauben, entgegenstand. Die angepasste Lösung sah weniger schön aus. Eine ca. 1 cm tiefe Kerbe wurde mit der Raspel in die Querleiste gearbeitet. Der Wind blies das feine Holzmehl durch die offene Balkontür in die Wohnung.
Durch die kleckerweisen Beschaffungen und Lieferungen ging die Erstellung der Lichtleiste nur in kleinen Schritten voran. Jeder gestandene Handwerker mit ordentlicher Werkstatt hätte sich über den langsamen Fortschritt lustig gemacht. In einer Wohnung verlangte diese Aufgabe viel Toleranz, weil jeder Tisch und jeder Raum einbezogen wurde. Hier wurde geschraubt, dort gebohrt, da lackiert und hier gelötet. Der Gang durch das sich dadurch ergebende Chaos ähnelte einem Eiertanz im Spagatschritt. Neben den häuslichen Dingen tummelten sich Werkzeuge, abgeschnittene Kabelenden und Schrauben. Wegen eines Regens wurde das frisch lackierte Holzstück reingeholt. Der Raum roch danach.
Bastelei in der Wohnung – II – Lötkolben, Couch und Teppich
Mit einer 12 Volt Batterie wurden die Anschlüsse geprüft und entsprechend verbunden. Der Vorgang war simpel. Während ich im Wohnzimmer mit heißem Lötkolben umgeben von Kleinteilen, dem alten Mast und der neuen Lichtleiste saß, klingelte das Telefon. Der Anrufer war hartnäckig; er versuchte es immer wieder, doch ich konnte nicht ran.
Nach dem Feststellen und Notieren der Kontaktbelegung wurde der alte Stecker kurzerhand vom Mast abgeschnitten und auseinandergeschraubt. Beim Lösen der alten Kabel stellte sich heraus, dass der Schlitz der Madenschraube vom Massepol kaputt war. Eine Backe war abgebrochen. Eine Fummelei mit Zange und Schraubenzieher begann.
Defekte Madenschraube
Schließlich mussten Sekundenkleber und der Lötkolben die Sache fixen. Schön war das nicht, aber wer hatte schon einen passenden Ersatzstecker dieses speziellen Typs herumliegen? Schließlich war alles verschraubt, mehrfach lackiert, die Elektrik getestet und fertig zum Anbau.
Alter Mast neben neuer Lichterhalterung

Ohne Lichtmast ist das Dach der Kajüte aufgeräumter. Die Luke lässt sich ganz öffnen.

Die Luke lässt sich ganz öffnen.
Neuer Unterwasseranstrich
20. 3. 2012 © Thomas GadeNach der Reinigung der Unterseite unseres Bootes sollte es mir einem frischen Antifouling versehen werden. Unsere Methode zur Beseitigung des Belags haben wir in einem eigenen Artikel beschrieben. Wir hatten keine Ahnung, was die Vorbesitzer verwendet hatten und konnten sie nicht erreichen. Unser Verdränger, 6,4 Meter lang, fährt maximal 6 Knoten, wobei wir üblicherweise langsam mit 3 bis 4 Knoten fahren. Unser Revier sind die Havel, Spree und Seen in Berlin und Brandenburg. Also Süßwasser.
Der Hafenmeister, ein erfahrener Bootskenner und -bastler, sah sich den Rumpf an und empfahl VC-17M von International. Im Web hatten wir dazu einige ablehnende Kommentare gelesen, doch vertrauten wir dem Rat. Im Wassersportgeschäft erstanden wir zwei Gebinde mit jeweils 750 ml Inhalt für stolze 39 € pro Einheit.
Boot im Winterlager. Ist ein neuer Unterwasseranstrich fällig?
Das Mittel besteht aus einer Tüte mit feinem Kupferstaub und einer Dose mit einer Flüssigkeit. Vor der Verwendung wird das Pulver in die Dose gekippt und alles gründlich miteinander verrührt. Dabei entsteht der gebrauchsfertige kupferfarbene schillernde Anstrich.
VC-17m Teflon und Kupfer Anrühren des Antifouling
Mit dem Pinsel und ruhiger Hand sollte der Anstrich an der Grenze zwischen Unterwasseranstrich und dem Überwasserrumpf nachgezogen werden. Das war keine gute Idee. Der Pinsel saugte sich sofort mit dem Anstrich voll, der schnell hart wurde. Dagegen verlief das Anstreichen mit der Schaumstoffrolle flott. Da der Rumpf bereits im vergangenen Jahr eine solche Behandlung erfahren hatte, wie uns zwischenzeitlich andere Bootseigner vom gleichen Liegeplatz mitteilten, reichte ein Anstrich, für den eine Dose Antifouling gerade die richtige Menge war.
Pinsel. Keine gute Idee.
Mit dem letzten Rest strichen wir das Ruderblatt. Über den Sinn und Unsinn des Anstrichs der Metallteile des Ruders und des Antriebs gingen die Meinungen auseinander. Die einen meinten, dass muss so gemacht werden, die anderen warnten vor Korrosion durch Elektrolyse, die durch die verschiedenen Metalle verursacht wird. Womit wir bereits ein weiteres Thema ankündigen: Die Opferanode.
Neuer Anstrich. Noch glänzt er kupferfarben.
Start der Bootssaison 2012. Die erste Fahrt des Butts.
2. 4. 2012Am 31. März rief der Hafenmeister des Bootshauses am Pohlesee an: "Wir können Ihr Boot zu Wasser lassen. Möchten Sie dabei sein?" Natürlich wollten wir das und verabredeten uns für den folgenden Tag.
Die Batterien, die Polster und weitere Dinge wurden aus dem Keller zum Auto geschleppt. Am nächsten Tag fand in Berlin ein Halbmarathon statt. Deswegen fuhren wir einen Umweg, um nicht in etwaige Straßensperren zu geraten, die uns im vergangenen Jahr immer wieder die Fahrt durch die Stadt zum Boot erschwert hatten. Obwohl die Fotos wenig davon vermitteln, war das Wetter ungemütlich kalt und sehr windig. Immer wieder schüttelten kräftige Böen die Bäume und erzeugten bereits auf den kleinen Seen unterhalb der Wannseeinsel kleine Schaumkronen. Gelegentlich kam die Sonne durch, die bei dem kräftigen Wind nicht spürbar wärmte.
Das Boot auf dem Trailer
Der Hafenmeister ließ sich von der aktuellen Situation nicht beeindrucken, kuppelte den Trailer an seine Zugmaschine und fuhr langsam die Rampe zum Wasser hinunter. Der Trailer rollte hinein und das Boot schwamm auf. Der Wind drückte es gegen eine Einstiegsstelle für Kanus. An deren Kante waren Gummistücke genagelt, die das Verkratzen des Rumpfes verhinderten. Wir hielten das Boot fest bis der Hafenmeister den Trailer eingeparkt hatte und mit zwei Paddeln zurückkehrte.
Zugmaschine und Trailer
Der Trailer rollt mit dem Boot zum Wasser
Erste Wasserberührung
Die Bootssaison ist eröffnet. Der Skipper neben seinem Boot.
Der Hafenmeister begab sich mit seinem Paddel auf den Bug und ich stand mit dem anderen achtern. Das Boot wurde gedreht und dem kräftigen Seitenwind zum Trotz ohne Blessuren und Anrempler zu seinem Liegeplatz gepaddelt. Dort wurde es mit reichlich Fendern und Tauen so festgemacht, dass die Böen es nicht gegen die Holzpier stoßen konnten.
Das Boot wird zum Liegeplatz gepaddelt
Festmachen am Liegeplatz
Für die erste Fahrt konnten wir den Motor nicht anwerfen, weil noch keine Batterien an Bord waren. Das 'Auswintern' der Maschine geschah am Liegeplatz. Zuerst wurden die beiden Autobatterien über den schmalen Steg zum Boot gebracht, in ihren Kasten eingebaut und verkabelt. Danach wurde eine Tasse Wasser in den Wasserfilter des Motors gekippt und der erste Startversuch übernommen. Zweimal sprang der Motor an und ging wieder aus. Beim dritten Mal klappte es, nach einer Weile lief die Maschine rund, beförderte das Frostschutzmittel aus seinem Kühlkreislauf und frisches Seewasser aus dem Ausflussrohr.
Das Boot war startklar. Trotz des Windes beschlossen wir, eine kurze Fahrt zu unternehmen. Einmal den kleinen Wannsee rauf und runter, durch den Pohlesee zum Stölpchensee und zurück. Durch den monatelangen Mangel an Fahrpraxis und einer kräftigen Böe beim Ablegen, hätten wir fast den hinter uns liegenden Steg und ein anderes Boot gerammt. Der Wind drehte uns entschlossen. Vom Ufer aus sah unser Auslaufmanöver bestimmt sehr gekonnt aus. Nur wenige schaffen es, einen Verdränger mit starrer Welle ohne Bugstrahlruder auf so engem Raum zu wenden. Eine Mischung aus aufkommender Panik und Verstand bewirkte den richtigen Kurs und wir verließen den Hafen.
Auf dem kleinen Wannsee begegneten wir den Ausflugsdampfern Heiterkeit und Rheinland sowie zwei Segelbooten mit gekippten Masten und Außenbordern. Die große Motoryacht Albin Köbis war unter einer riesigen Plane verborgen.
Motoryacht 'Albin Köbis' unter einem großen Winterverdeck
Auf den großen Wannsee trauten wir uns wegen des starken Windes nicht hinaus und fuhren zurück.
Kommentare:
Herr Winkler, 03.04.2012
Ein schickes Boot habt ihr! Wir freuen uns total, dass es endlich wieder losgeht!!!
Schwertfisch, 3. 4. 2012
Die Boote müssen jetzt rein. Sonst ist die Saison zu kurz. Mast und Schotbruch …
Suse, 2. 4. 2012
Riskant, bei der Wettervorhersage hättet ihr den Frostschutz nicht ablassen dürfen. Ostern soll es kalt werden. Das arme Boot wird Frostbeulen bekommen. Nicht akzeptiert.
Oxly, 2. 4. 2012
Das Boot ist eine HASLA 21, über die wenig zu lesen ist, und bauähnlich mit einer älteren Marex 21. Daten: 2,4x 6,4m – 15 PS Diesel – maximal 6 Knoten.
Muckel, 2. 4. 2012
Ein nettes kleines Boot fahrt ihr. Was für ein Typ ist das?
LG Muckel