Bereitschaftspolizei auf dem Tegeler See
Thomas Gade 4. Juli 20154. 7. 2015 – 38°C. Berlin stöhnt unter der Hitze und wer eine Möglichkeit zur Abkühlung hat, nutzt sie. Auf dem Tegeler See liegen viele Boote vor Anker und neben ihnen treiben Kühlung suchende Menschen mit oder ohne Schwimmnudeln. Sogar auf den Booten ist es zu heiß. Mit allen Mitteln schützt man sich gegen die direkte Sonneneinstrahlung. Matte Lethargie macht sich breit. Doch am Nachmittag ist die Präsenz von Polizeibooten nicht zu übersehen. Normalerweise dreht die Wasserschutzpolizei ihre Runden, aber zwei Schlauchboote und eine weiteres aus Aluminium sind anders gekennzeichnet.
4. 7. 2015. Berlin. Reinickendorf. Tegel. Tegeler See. Motorboot. Schlauchboot der Polizei
BPA steht für Bereitschaftspolizeiabteilung. Die Herren an Bord tragen T-Shirts mit dem Aufdruck ‘Polizei’. An den Hüften tragen sie Waffen. Was ist los? Auf einem der beiden Schlauchboote geht es locker zu. Darauf haben zwei Herren ihre Dienst-T-Shirts ausgezogen und springen schließlich in den See. Wie ein handfester Einsatz sieht das nicht aus. Die Angler werden nicht kontrolliert und zu schnell fahrende Boote werden ignoriert.
4. 7. 2015. Berlin. Reinickendorf. Tegel. Tegeler See. Motorboot. Schlauchboot der Polizei
Nach dem erfrischenden Bad steigen die Polizisten zurück in die Gluthitze an Bord. Ohne Sonnenverdeck und Kopfbedeckung ist die Bootsfahrt in der Hitze eine echte Belastungsprobe.
4. 7. 2015. Berlin. Reinickendorf. Tegel. Tegeler See. Motorboot der Polizei
Diese Boote sind üblicherweise nicht zur Verbesserung des lokalen Rettungsangebots unterwegs, denn der DLRG und ASB sind am Tegeler See, der nicht gerade riesig ist, mit diversen Stützpunkten vertreten und die Wasserschutzpolizei hat am südlichen Ende des Sees auf der anderen Seite der Havel eine Station mit mehreren Booten. Wenn man die DLRG-Wasserrettungsstation Hakenfelde in Spandau mitzählt, gibt es hier drei mit Rettungsbooten ausgestattete DLRG Stationen jeweils im Abstand von rund einem Kilometer. Am Badestrand im Saatwinkel hat der DLRG eine weitere Hütte. Zudem betreibt der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) eine große Rettungsstation am Tegeler See.
Zusätzliche Rettungsboote sind hier nicht nötig, denn eine größere Dichte ist kaum vorstellbar. Wenn nicht ständig, ist in Abständen von wenigen Minuten zumindest an den Wochenenden immer mindestens eins in Sicht.
Ortskundige, denen der Anblick der vielen Rettungsboote vom ASB und DLRG sowie die großen Pötte der WSP bekannt ist, werden sich über die zusätzliche Präsenz der bewaffneten Polizisten auf kleinen Motorbooten gewundert haben.
Kommentare am 5. Juli 2015
Nobby: Hut ab. Die Polizei zeigt Präsenz. Auch bei 38 Grad. Sicher kein einfacher Job. Und auch richtig so. Motorbootfahrer neigen bei Hitze zum schnellen fahren, machen laute Dröhne-Musik von Partyinseln, trinken ein Bier zuviel oder ankern im Naturschutzgebiet. Alles zu sehen. Dazu sind überall Lufmatratzen unterwegs und Schwimmer, die mal eben über den See wollen. Da kann etwas zusätzliche auf dem Wasser Polizeipräsenz nicht schaden. Mein Dank an die Ordungshüter.
Pierre / über Facebook: Hey, die Boote waren noch von der Veranstaltung rund um Scharfenberg (Schulschwimmen im Wasser) diese Veranstaltung wurde vom DLRG und der Polizei abgesichert.
Des weiteren gibt es fünf DLRG Stationen am Tegeler See wenn man Hakenfelde mitzählt. (Reiswerder, Frosthaus, Scharfenberg, Saatwinkel [ASB Boote DLRG Schwimmer])
Marleen: Bei der Bullenhitze war das bestimmt nicht leicht. Da wäre wohl jeder selber mal ins Wasser gehopst. Habt einen guten Sommer!
Erwischt auf dem Templiner See.
"Stoppen Sie und kommen Sie längsseits!"
2012 © Thomas GadeWir waren mit unserem neu erworbenen Verdänger aus der Hand eines alten Rentnerpaares auf dem Templiner See bei Potsdam unterwegs. Das Tuckern unseres Dieselmotors, die gemächliche Fahrt unseres Bootes, die geringe Anzahl Fahrzeuge auf dem Wasser und das leise Plätschern hatten einen beruhigenden Effekt. Ich saß in der Plicht des Bootes und arbeitete am Tauwerk, das ich aus den verschiedenen Stauräumen des Boots herausgekramt hatte. Einige Taue sahen alt und verbraucht aus. Sie wurden ausgemustert. Bei anderen Leinen waren die Enden am Aufdröseln. Sie wurden ordentlich mit Takelgarn umwickelt und einige neu verschmolzen.
Meine Begleiterin, die am Steuer des Bootes saß, guckte manchmal rüber. Wir fuhren wegen des Windes leeseitig auf dem Templiner See, um möglichst ruhiges Fahrwasser zu haben. Dabei hatten wir nicht aufgepasst und waren versehentlich in eine Wasserfläche geraten, die weiträumig mit Tonnen gesperrt war. Das war nicht gut, aber auch nicht mehr zu ändern. Ein Kurs nach steuerbord, um seitwärts rauszukommen, wäre nicht kürzer gewesen als das verbleibende Stück weiterzufahren. Da dort keinerlei Aktivitäten stattfanden, beunruhigte es uns nicht sehr. Irgendwo meinte ich gelesen zu haben, dass dieses Gebiet nur während des Trainings und den Wettkämpfen gesperrt wurde. Wir diskutierten über diese Situation. Es war nichts passiert. Nächstesmal würden wir besser achtgeben. Die Fahrt ging ruhig weiter.
Auf einmal wurden wir von achtern angerufen. Die Wasserschutzpolizei kam angerauscht. Sie hatte uns erwischt. Woher war die so plötzlich aufgetaucht? "Stoppen Sie und kommen Sie längsseits!"
Boot der Wasserschutzpolizei in Potsdam im Bundesland Brandenburg.
Auf der Konsole über dem Steuerrad befand sich ein fest eingebautes UKW-Funkgerät vom Vorbesitzer, das wir mangels Funklizenz gar nicht an Bord haben durften, wie wir erst vor wenigen Tagen erfahren hatten. Es schien mir ein echter Blickfang zu sein. Meine Begleiterin begab sich nach vorne, um eine Leine bereit zu halten. Ich übernahm das Steuer, stoppte auf und versuchte rückwärts an das Boot der Wasserschutzpolizei heranzukommen. Das war ein Fehler mit diesem Bootstyp. Mit starrer Welle fährt man einen Kreis, kommt hinter das Polizeiboot und fährt vorwärts ran, so wie im Manöver 'Mann über Bord'. Die Polizei erkannte unser Problem.
"Bleiben Sie liegen, wir kommen längsseits."
"Vielen Dank!", dachte ich und konnte aufhören, mich mit dem Steuerrad und dem Schalthebel zu beschäftigen. Wir ließen die Fender runter und reichten dann unsere Taue rüber, die von zwei Polizisten angenommen wurden. Ich räumte sofort ein, dass wir im abgesperrten Gebiet gefahren waren; wir hatten nicht aufgepasst. Die Polizisten nahmen freundlich zur Kenntnis, dass sie uns nicht groß zu belehren hatten.
Die Papiere und Kennzeichen wurden geprüft. Wir mussten 20 € bezahlen. Die Herren hatten schnell erkannt, dass sie es mit Neulingen zu tun hatten. Beim Trennen der Boote meinten einer, dass wir noch einiges lernen müssten, dann würden wir uns wohl nicht wiedersehen. Wir erhielten zwei Broschüren. 'Leinen los!' von der Polizei Land Brandenburg und 'Wassersport im Osten 2011' vom Wirtschaftsverband Wassersport e.V. Berlin. Beide waren informativ und lesenswert, doch stellten wir das erst später fest. Noch beschäftigte uns die aktuelle Situation.
Die Polizisten wünschten uns eine gute Fahrt und wiesen uns auf einen sich nähernden Ausflugsdampfer hin, den wir wegen des davor liegenden Polizeibootes nicht sehen konnten.
Seilfähre am Kiewitt in Potsdam
Einen Schreck reicher und 20 € ärmer fuhren wir stromabwärts nach Potsdam. Vor uns tauchte eine Stelle auf, wo eine Seilfähre die Havel durchquerte. Das Polizeiboot blieb in unserer Nähe. Offenbar wollten die Polizisten sehen, ob wir mit der Seilfähre klarkamen. Doch mehr als langsam ranzufahren, zur Fähre zu blicken und zu gucken, ob sie fährt, konnte man nicht machen. Sie gab vor der Abfahrt kein Signal, aber ein anderes großes Sportboot fuhr unbehelligt weiter und wir rasch hinterher. Das Polizeiboot drehte ab.
Das war sie also, die erste direkte Begegnung mit der Wasserschutzpolizei.
Die folgenden Geschichten über Begegnungen mit der Wasserschutzpolizei auf Berlin und Brandenburgischen Gewässern aus 2011 trug Bootsfahrer Ludger Wimberg bei:
Wasserschutzpolizei: "Warum fahren Sie schneller, wenn Sie uns sehen?"
Tatort Niederlehme bei Wildau bei Königs Wusterhausen
Immer auf der Lauer
Hier am Sellenzugsee kann man sich gut verstecken, diese lange gerade Strecke eignet sich bestens für die Dienstpflichten der Wasserschutzpolizei. Es ist noch nicht lange her, da stand dort mal wieder "Das Boot", den Adler in der Deutschlandflagge, im schicken Blau-Weiß, die Hand geht raus, die Fender fallen, ich fahre ran.
"Die Papiere!" Pause "Warum beschleunigten Sie auf dem letzten Stück?"
Der Wasserschutzpolizist behauptete, dass nach Sicht seines Blitzers auf seinem Dienst-Kreuzer, die Geschwindigkeit kontinuierlich erhöht wurde, von 7 auf 14km/h. Darauf habe er die Überprüfung eingestellt, zum Schutze des Deliquenten, denn: " … sonst wäre das ja kaum noch zu bezahlen gewesen für Sie!"
Auf den vorsichtigen Hinweis, es gäbe kein Motiv, beim Anblick dieses eindeutig überlegenen Gegners auch noch mit heftig zunehmender Geschwindigkeit auf ihn zuzufahren, wurde gesagt: "Kommen se an Bord, gucken se selbst"
Und tatsächlich. Von 7 auf 14 km/h zeigt die Kurve. Das wären 70 € Strafe. Ich weise noch einmal auf die Auffälligkeit hin, dass doch niemand beim Anblick eines Wasserschutzpolizeibootes die Geschwingkeit erhöht und wenn überhaupt dann doch wohl nur in entgegengesetzte Richtung, um zu entwischen. Man stutzt etwas, wir einigen uns auf 40 € und ich gehe kopfschüttelnd von Bord. Mit Logik hat das nichts mehr zu tun.
"Beeilen Sie sich!" ruft er von oben, "Die Schleuse schließt gleich."
Das hatte ich glatt vergessen! Die Schleuse "Neue Mühle" in Königs Wusterhausen schließt um 17:00 in der Nebensaison. Bis dahin blieben nur noch 15 Minuten, eigentlich nicht zu schaffen.
"Oh, Man!" rufe ich, "Ich muss noch nach Gross Köris."
"Dann fahren se schneller, ick seh nichts.", kommt der ernst gemeinte Rat. Das lasse ich mir nicht zweimal sagen und gebe Gas. Die Schleuse schaffe ich gerade noch mit rasanter Fahrt, doch diesmal auf Anraten der WSP.
"Warum fahren Sie langsamer, wenn Sie uns sehen?"
Tatort Klein Köris
Verändere niemals die Geschwindigkeit beim Anblick eines Polizeibootes. Modderkanal bei Klein Köris. Die Enten schrecken hoch und sie schwimmen davon. Schade. Ich verlangsame und blicke ihnen nach. Und dann sehe ich noch etwas: Das Boot, die Wasserschutzpolizei!
Obwohl ich mich unterhalb der erlaubten Höchstgeschwindigkeit bewegt habe, wie mein GPS-Meßgerat zuverlässig anzeigte, und wegen der Enten das Gas fast ganz wegnahm, werde ich rangewunken. Was ist los?
"Halt, kommen se mal backbord ran. Die Papiere bitte. Warum haben Sie ihre Geschwindigkeit verringert?"
"Ja, wegen der Enten und dem Fischreiher am Ufer"
"Aha". Pause! "Ihr Motor ist nicht der Motor, der in den Papieren steht. Das ist eine Ordnungswidrigkeit. Macht 10 € sofort oder Sie bekommen von uns Post."
Stimmt.Der alte Außenborder wurde gestohlen, die Versicherung zahlte und der Motor wurde gestern angebaut. Zum erstenmal bin ich damit unterwegs. Der dazugehörige Papierkram ist noch nicht abgeschlossen. Aber ich habe den Kaufvertrag mit Datum und Namen des Käufers, meinen also, nebst Personalausweis dabei. Was soll schief laufen?
"Okay, okay. Aber den neuen Motor hab ich erst gestern bekommen, eine sogenannte Testfahrt, hier ist der Kaufvertrag."
"Macht 10 € sofort oder Sie bekommen von uns Post."
Ich zahle … und ärgere mich. Das Problem mit der Wasserschutzpolizei ist eben, sie findet immer etwas, egal was man macht. Das erzeugt diese Schrecksekunde, wenn man ihre Boote sieht. Ist das denn wirklich deren Aufgabe, Bootsfahrer zu erschrecken?
"Wo ist Ihre Brillensicherung?"
Tatort NiederlehmeHier ist es immer eng. Schon in der Schleuse "Neue Mühle" werden die aktuellen Geschichten erzählt. Die Wasserschutzpolizei von Wildau, die Haupt- und Selbstdarsteller zwischen Möllensee und Sellenzugsee. Hartnäckig fahre ich in der erlaubten Geschwindigkeit. Das lange breite Polizeiboot habe ich bereits gesehen, auch die Feldstecherherren dort in der Ferne auf dem Heck.
Es ist Saisonanfang, alles ist an Bord, der Eimer, der Feuerlöscher, das Paddel. Bereits beim Anblick dieser blau-weißen Boote denkt man über sein ganzes illegales Leben auf dem Wasser nach, war da was? Nein, nicht in diesem Jahr. Die Hand geht raus, ein Beamter setzt seine Mütze auf, dann gehen die Fender über Bord. Ich bin gemeint. Immer ich. Nicht noch einmal denke ich. Hier war ich schon einige Mal.
Winken, Mütze, Fender, anlegen, zahlen....
"Also wenn Sie mir eine Geschwindigkeitsüberscheitung anhängen wollen, dann gehe ich dagegen vor. Extra wegen der ständigen überprüfungen hier habe ich mir ein GPS-Gerät zugelegt. Die Geschwindigkeit habe ich eingehalten … definitiv!"
Selbstbewusst gucke ich ihn an. Es ist ein junger Beamter. Oben auf dem Heck stehen drei ältere Herren. Uniformiert, dezent zurückgezogen, ohne Mütze. Es ist das Schulungsschiff der Wasserschutzpolizei. Dann muss hier eine Prüfung sein.
"Guten Tag, erst einmal. Ihre Papiere. Es handelt sich hier im eine allgemeine überprüfung. Um Ihre Geschwindigkeit geht es gar nicht."
"Na", sage ich, "dann werden Sie ja nichts finden".
Ich war mir sicher, denn es ist der Anfang der Saison, es ist alles gecheckt. Doch es war zuviel. Witze werden im Schatten der großen Boote nicht verstanden. "Das wollen wir doch mal sehen", sagt er und betrachtet genussvoll die Papiere. Dann wandert er das Boot ab, 5,30m hin und 5,30m zurück.
"Ihr Kennzeichen am Heck liegt unterhalb der Wasserlinie. Das ist eine Ordnungswidrigkeit"
"Ja, wo ist denn die Wasserlinie?"
"Was?" sage ich und steige aus. Das Kennzeichen ist etwas beschmutzt, beim Rückwärtsfahren sind Wellen dagegen geschlagen, ich bin seit Tagen unterwegs. Einer der älteren Herren dort oben grinst.
"Das kann nicht Ihr Ernst sein.", sage ich. "Das Kennzeichen ist eindeutig oberhalb der Wasserlinie, wir machen ein Foto davon und dann lassen wir eben andere entscheiden?"
Zeit vergeht. Die Herren oben grinsen weiter. Er guckt in die Papiere. "Wo ist Ihre Brillensicherung?"
"Ich habe zwei Ersatzbrillen dabei. Eine Brillensicherung hatte ich noch nie in meinem Leben. Das muss man nicht, wenn man Ersatzbrillen mitführt."
"Das ist eine Ordnungswidrigkeit. In Ihrem Führerschein steht: Brille mit Sicherung oder andere Sehhilfe ist zu tragen; Ersatz ist mitzuführen. Das macht 10 €, wenn Sie damit einverstanden sind."
Ich sage ganz langsam und ruhig: "Lieber Wasserschutzpolizist, Texte und Gesetze brauchen zum Verständnis die Logik, den Verstand und die Vernunft. Der Text im Führerschein sagt gleichwertig: Brille mit Sicherung, andere Sehhilfe oder Ersatz ist mitzuführen und alles steht gleichberechtigt und dazwischen ist ein 'oder'."
"Sie müssen nicht zahlen. Sie können auch auf unsere Post warten." Pause. "Wollen Sie zahlen? Ok, dann hole ich jetzt die Quittung"
Er verschwindet im Inneren des Schulungsschiffes. Ich wende mich an die drei Herren oben.
"Wissen Sie, es kann doch nicht sein, dass Sie als Wasserschutzpolizei Angst und Schrecken verbreiten hier auf den Meeren. Die Freizeitkapitäne werden bei Ihrem Anblick in Panik versetzt. Das kann doch nicht Ihre Arbeit oder Ihr Ziel sein. Und das kann Ihnen doch keinen Spaß machen. Eine Beratung, ein Hinweis eine Belehrung tut es doch auch, oder?"
"Der Kollege tut sein Bestes", sagt einer der älteren Polizisten.
"Dann sollte er zumindest logisch und vernünftig handeln. Wegen 10 € einen teuren und intensiven Streitfall zu provozieren, halte ich weder für logisch noch für vernünftig. Darum zahle ich. Es wäre wirklich sinnvoll, Sie würden als Wasserschutzpolizei an Ihrem Image arbeiten, weil der Schrecken der Meere zu sein, war doch bestimmt nicht die Idee."
Ich nehme den kleinen roten Verwarnungsnachweis, da steht:
"Wildau der 13.5.: Brille ohne Sicherung, gemäß § 56-58 nach Belehrung über Ihr Weigerungsrecht verwarnt worden."
Man sollte seine Führerscheinprüfung ohne Brille machen oder sich dafür Kontaktlinsen besorgen.
"Ja nun raten Sie mal, was Sie falsch gemacht haben?"
Tatort: Schleuse Banitz, Untere HavelHier sind die Schleusen für schwere Schubeinheiten gebaut. Hunderte von Metern sind sie lang. Das Schleusentor öffnet sich. Innen befindet sich ein Wasserschutzpolizeiboot. Doch eigenartigerweise steht es nicht in Richtung Ausfahrt, sondern in umgekehrte Richtung. Keiner will raus. Wir legen an, weit hinten. Lassen sich die Kollegen den ganzen Tag hier rauf und runter bewegen? Die Schleusenwand ist glitschig. Es gibt wenige Möglichkeiten zum Anlegen der Tampen. Vorne kann man fixen, hinten halte ich ab und zu an der Leiter fest. Niemand sonst ist in der Schleuse, nur das Polizeiboot und wir. Der Schleusengang ist beendet, das Polizeiboot fährt hinaus und legt gleich hinter der Schleuse backbord an.
Schleuse Untere Havel, nicht los hier
Wir sehen schon aus der Schleuse, wie die blauen Feder an die Seite gehen, die Mütze auf und das Winken. Dieses arrogante Winken! Was ist geschehen? Geschwindigkeit geht nicht, vorher haben sie uns nicht gesehen, der Schleusengang war glitschig aber normal.
"Die Papiere bitte." - Lange Pause, keiner sagt etwas. -"Jetzt raten Sie doch mal, was sie falsch gemacht haben?"
Also, nicht das Boot ist gemeint, sondern tatsächlich eine Handlung. Keine Ahnung.
"Also, Sie haben uns doch erst in der Schleuse gesehen. Darin haben wir nichts falsch gemacht."
"Doch! Sie haben an der Leiter angelegt."
Leiter in einer Schleuse, gelber Bereich, anfassen verboten
"Jetzt aber mal ehrlich, wir haben da nicht angelegt, wir haben sie nur berührt. Und außerdem, wir waren doch alleine in der Schleuse. Da war niemand, nur Sie. Was soll das?"
"20 € oder Sie erhalten Post. Kein Problem"
"Reicht denn wirklich nicht eine Ermahnung?"
"Wissen Sie, mein Chef will doch auch sehen, was ich den ganzen Tag gemacht habe.", sagt der Polizist, nimmt die 20 € und fährt mit seinem Boot zurück in die Schleuse. Sprachlos setzen wir unsere Fahrt fort.
Die folgenden Beiträge stammen von 'Kai Mauer' und wurden 2012 geschrieben.
Stapellauf
Ja, da ist es wieder, das aufregende Gefühl. Ich stehe auf meinem Boot, das seit viel zu vielen Monaten ein schattiges Dasein an Land fristen musste. Einige letzte Handgriffe, fast schon routiniert, dann ist es soweit. Der Hafenmeister hebt die Hand, das Seil auf der Winde beginnt sich kontrolliert zu lösen. Meine 8 Meter gleiten auf einem Schlitten hinab in ihr eigentliches Element, das Wasser. Ich wollte den Moment nicht missen, gebe mich gelassen und bin doch immer wieder so erregt, wie beim ersten Mal. An Bord bleiben durfte ich im entscheidenden Moment nicht, keine Versicherung duldet Passagiere beim alljählichen Stapellauf im Frühling. Aber ich hatte alles in der Hand. Jedenfalls suggeriert das der starke Tampen, den ich entschlossen umklammere, während ich wieder Zeuge dieses physikalischen Wunders werde, wie 2 Tonnen versenkt werden und trotzdem obenauf schwimmen.Erste Fahrt nach dem Slippen
Natürlich lasse es ich mir nicht nehmen, mein Boot selbst vom engen Slip ins offene Gewässer zu steuern. Und natürlich nutze ich die Gelegenheit zu einer Probefahrt. Die Sonne scheint bei angenehmen 13 Grad, der See liegt noch verlassen vor mir, während meine neue Schraube vibrationsfrei durchs nasse Element dreht und mir so den nötigen Vortrieb gibt. Nein, ich drehe noch nicht auf. Und das nicht wegen der im Vergleich zum Vorjahr wieder schmerzlich gestiegenen Spritpreise, sondern aus Respekt vor dem betagten Sechszylinder, der seit beinahe einem halben Jahr tatenlos vor sich hin dösen musste.Gleitfahrt
Aber nach einer weiteren Viertelstunde sind wir wieder eins, das Boot, die Maschine, das Wasser und ich. Ich steigere die Drehzahl erst auf 2.000, dann auf 3.000 Umdrehungen und weiß genau, dass jetzt nur noch ein ganz kleines bisschen fehlt, um in die Gleitfahrt überzugehen. Und das geben wir uns natürlich auch noch. Schließlich ist der Tank ja noch vom Vorjahr gut gefüllt, zu einem Preis, der mir heute fast günstig erscheint. Der Rumpf hebt sich aus dem Wasser und das Boot nimmt von alleine noch mehr Fahrt auf. Ein anderer Aggregatzustand, fast schwerelos, wäre da nicht die Silhouette eines weiteren maritimen Gefährts, zudem noch in blau-weiß. Ich weiß nicht, warum der Instinkt hier immer Recht behält, was das Fernglas sofort bestätigt. Nun ja, das Okular hat optisch in jeder Beziehung mehr mit einem Opernglas gemein, als mit einem Feldstecher. Und obwohl ich Opern hasse, sind sie mir doch näher, wie der militärische Terminus für eine Seehilfe.
Wasserschutzpolizei
Die Wasserschutzpolizei liegt wie eine Barrikade auf meiner Route. Jetzt nur die Ruhe behalten und ganz, ganz langsam das Gas zurück nehmen. Nicht, weil ich mich außerhalb des Limits bewege, sondern, weil ein guter Freund im letzten Jahr zur Kasse gebeten wurde, obwohl ihm keine nachvollziehbare Übertretung nachgewiesen wurde. Allein die Tatsache, dass er seine Fahrt "spürbar verlangsamt" haben soll, hätte ihn verdächtigt gemacht. Und geht diese besondere Spezies der Wasserordnungshüter erst mal längsseits, dann führt erwiesenermaßen kein Weg daran vorbei, dass du dieses Manöver auch bezahlen musst. Mir ist auch und gerade nach regem Austausch unter Gleichgesinnten kein einziger Fall bekannt, bei dem es eine Verwarnung oder Belehrung getan hätte. Hier zahlt jeder den Tribut an die Obrigkeit, ohne Ausnahme.
20 € für Festhalten an der Schleusenleiter
Nie vergessen werde ich die Fahrt mit dem 5-Meter-Boot eines Freundes durch eine riesige Schrägwandschleuse. Nur wir und ein Boot der blau-weiß getünchten Staatsmacht lagen in der Kammer. Einhundert Meter voneinander entfernt. Gleich nach dem Verlassen der Schleuse wurden wir gestoppt. Wer sonst? Nur wir waren "greifbar". Nach der obligatorischen Kontrolle der Papiere bat man uns wenig höflich aber bestimmt um eine Sondersteuer in Höhe von 20 Euro. Die Frage "Wofür?", war weder kindliche Neugier noch obrichkeitsfeindlicher Reflex. Letzteren haben wir im Griff. Es war einfach das schiere Verlangen nach Aufklärung, vielleicht gepaart mit dem Wunsch, wenigstens vorgeben zu können, dass man aus Fehlern lernen wolle. Wir hätten uns in der Schleuse auch an der gelb markierten Leiter festgehalten, war die knappe Antwort. Ja, aber die gelb markierten Poller, Stangen und Leitern seinen doch zum Festmachen oder wenigstens zum Festhalten, antworteten wir, was bei unserem Plastikboot von überschaubarer Größe und mit beherrschbarem Gewicht ja eine Option ist. Nein, hieß die barsche Antwort, die Leitern seinen zwar gelb, aber das Festhalten daran sei verboten.So verboten, dass es gleich 20 Euro kostete? Hätte es beim ersten Mal nicht auch eine Belehrung oder Verwarnung getan? Naiv, wie sich gleich herausstellte. "Was soll ich denn am Abend meinem Chef erzählen, wenn ich nichts in der Kasse habe? Soll ich sagen, ich habe alle belehrt?" Nun, so deutlich hätte er über den Auftrag der Wasserschutzpolizei nicht werden sollen. Das spricht für sich und für alle Erfahrungen, die ich und gleichgesinnte Sportbootfahrer bisher sammeln durften. Und es erinnert mich an die Willkür von Staatsbediensteten in autoritären Ländern. Und da ich mich als West-Berliner hauptsächlich in ostdeutschen Gewässern aufhalte, was ich im übrigen mehr als zu schätzen weiß, frage ich mich auch nicht mehr, woher diese Zeitgenossen ihre Ethik und Berufsauffassung nehmen. Nennen wir es einfach "alte Schule".
Aber heute habe ich Glück, die WSP stoppt einen Segler. Ich habe einen Anflug von Mitleid oder Solidarität und doch fahre ich mit starrem Blick und gespielter Teilnahmslosigkeit an Täter und Opfer vorbei, nehme Kurs auf meinen Heimathafen, finde mühelos meine mir wieder zugestammte Box und mache zum ersten Mal in diesem Jahr an meiner Planke fest. Das Element hat mich wieder, ich freue mich auf die Saison und darauf, dass sich eines Tages durchsetzen wird: "Wir sind das Bootsvolk!"
Kommentare
Björn - 26. April 2012 at 23:03 · Erstmal alles Gute für die neue Saison. Die Geschichte von 20 € für das Festhalten an der Leiter in der Schleuse ist delikat. Damit tut sich die Wasserschutzpolizei keinen Gefallen, wenn die Story stimmt. Auf den Revieren zwischen Spreewald und Ostsee tummeln sich immer mehr führerscheinfreie Charterboote, die scheinbar machen können, was sie wollen. Die Mietflöße legen ungeniert an Ufern mit den 20-Meter-Abstand-halten Tafeln an. Das kümmert keinen, soweit ich das beobachten konnte. Die 'Schiffsführer', wenn man die Mieter so nennen darf, ohne Sportbootführerschein haben offenbar Narrenfreiheit und dümpeln mitunter zum Pulk zusammengebunden in den potsdamer Fahrrinnen der Ausflugsdampfer. An Bord stehen offene Sekt- und Bierpullen. Eigentlich sollte sich die WSP um solche Fälle kümmern. Aber bitte mit Augenmaß, denn Angstmacher und übereifrige Abkassierer brauchen wir nicht auf den Gewässern.Kai Mauer - 1. Mai 2012 at 12:44 · Auch dir Björn eine tolle Saison. Die Story mit der gelben Leiter in der Schleuse stimmt natürlich – leider. Und du hast recht, die Mietflöße und Bungalow-Boote scheinen Narrenfreiheit zu haben. Ganz offensichtlich hat die WSP hier den Auftrag, den Tourismus nicht zu verschrecken. Man hält sich dann halt doppelt an uns Sportbootfahrer und macht dabei keinen Unterschied zwischen 5 und 15 Metern. Jedenfalls nicht im Preis. Ich bleibe auf Grund meiner Erfahrungen und Beobachtungen unterm Strich bei der These, dass die WSP sehr willkürlich agiert und sich von ihren Kollegen auf dem Festland auch dadurch unterscheidet, dass sie das Legalitätsprinzip und damit die Regel "Gleiches Recht für alle" nicht sonderlich ernst nimmt, dafür aber gerne die Tradition der Vopos auf der Transitstecke pflegt.
Jens - 30. April 2012 at 09:29 · Wenn ich für jedes Festhalten an der gelben Leiter in einer Schleuse ein Ticket bekommen hätte, könnte ich mir das Boot gar nicht leisten. Da hat die Ordnungskraft deutlich überzogen. Da sie mit in der Schleuse war, hätte eine Lautsprecheransage mit der Aufforderung woanders festzumachen gereicht.
jens - 1. Mai 2012 at 07:11 · coole ansage aber leider so oft realität… die leute mit nem laser von nem angelboot aufzulauern und nach schätzung gleich 300 euronen aufzurufen ist ne frechheit… vor 2 wochen leider tatsache… lg. jens
Suse - 3. Mai 2012 at 09:50 · Ordnungshüter müssen sein. Ohne geht es nun wirklich nicht. Trotzdem gib es so Situationen. Auf der Straße ist es nämlich nicht anders. Wer viel fährt, bekommt hin und wieder ein Knöllchen, dessen Sinn unverständlich ist. Ich bin mal an eine Straße gekommen, die ein Schild als Spielstraße auswies. Ein Polizeiwagen fuhr an mir vorbei und zügig durch. Es war auch sonst niemand zu sehen. Kein Kind weit und breit. Ich fuhr ca. 20 km/h, langsamer geht es kaum, und wurde am Ende der Straße gestoppt. Zu schnell! Der Heinweis auf den Kollegen, der soeben noch zügig durchgefahren war, wurde mit Achselzucken beantwortet. "Woll'n se nun die 20 € zahlen oder auf ein Schreiben warten? Dann wird's teurer.", hieß es in Berliner Mundart. Ich habe bezahlt.
Kai - 3. Mai 2012 at 20:22 · Hallo Suse, danke für deinen Kommentar. Allein die These "Ordnungshüter müssen sein" wäre schon wieder ein Thema für einen neuen Blog, der hier aber nicht hingehört. Daher erstmal akzeptiert ;-)
Aber eine Spielstraße und eine Schleuse zu vergleichen, lasse ich bei aller Sympathie so nicht gelten. Ich wohne auch in einer Spielstraße und wundere mich täglich, wieviele Leute nicht wissen, dass hier max. 7 km/h erlaubt sind. "Kein Kind weit und breit" ist ein gefährlicher Ansatz, vor allem für spielende Kinder, die hier Vorfahrt haben. Ja, richtig, alle Fussgänger, also auch Kinder, haben hier "Vorfahrt" vor den Autos. Wenn das Kind hinter dem rollenden Ball herläuft, hast du mit 20 km/h keine Chance, der fahrlässigen Körperverletzung zu entgehen. Wenn nicht Schlimmeres. Aber all das ist nicht Thema dieses Blogs.
Die Ordnungshüter, die du ja grundsätzlich forderst, hatten in deinem Fall Recht – und waren milde mit dir. Bei mehr als dem Doppelten der erlaubten Geschwindigkeit ist eigentlich der "Lappen" fällig. Das war also in deinem Fall keine Willkür, sondern Nachsicht. Genauso kenne ich es auch von der Straße. Auf dem Wasser in den "neuen Bundesländern" ist das anders – und darum geht es in meinem kleinem Blog. Und um die Strukturen und Traditionen, die ich hinter der WSP im Osten der Republik vermute. "Freund und Helfer" hab ich jedenfalls auf einem Schiff der WSP noch nicht gefunden! Kai