Boot & Fun 2025 / outVenture
Berliner Bootsmesse
Dezember 2025 @ Thomas GadeNachdem ich die Berliner Bootsmesse mehrere Jahre verpasst hatte, beschloss ich, sie diesmal wieder zu besuchen. Mit der S-Bahn fuhr ich bis „Messe Nord / ZOB“, dem Bahnhof, der dem Eingang Nord am nächsten liegt. Um dorthin zu gelangen, musste eine stark befahrene Kreuzung durch einen Fußgängertunnel unter dem Messedamm unterquert werden. Das war ein Fehler: Ich hätte lieber ein paar Stationen weiterfahren und einmal umsteigen sollen, um direkt am Messeeingang Süd anzukommen. Die Unterführung unter dem Messedamm bot ein apokalyptisches Bild aus Verfall, zerbrochenen Bierflaschen, Lagern für Obdachlose, Schmutz und stillgelegten Rolltreppen. Kaum zu glauben, dass dieser Zustand in der deutschen Hauptstadt so hingenommen wird.
Am Eingang Nord stellte sich heraus, dass die Boote weit entfernt waren, denn in den ersten Hallen wurden vor allem Wohnmobile, Autos, Dachzelte und sogar Grills präsentiert, alles Dinge, für die ich nicht gekommen war. Es folgte der Bereich für Angler, der in vielen Bereichen sehr dunkel gehalten war.

In beleuchteten Vitrinen wurden Blinker und Wobbler wie Schmuckstücke präsentiert.

Anglerhalle: Vorführung eines Wobblers

Danach kam die Wassersporthalle mit einem großen Becken, auf dem drei SUPs mit montierten Sitzen trieben. Doch niemand probierte etwas aus oder führte etwas vor. Am Donnerstagvormittag nach der Galanacht hätte ich das verstanden, aber am Freitag gegen Mittag? Auch ein Tauchcontainer fehlte, und insgesamt wirkte die trüb beleuchtete Halle wie ausgestorben.

Autos in der Halle für gebrauchte Boote?
Gebrauchte Boote: Früher gab es hier eine lange Pinnwand, auf der Besucher ihre Angebote aushängen konnten. Diese fehlte diesmal. Zudem hatten die Verkäufer recht hohe Preisvorstellungen, deutlich über dem Niveau der Internet-Kleinanzeigen.

Der Sealander ist Wohnwagen mit einem Gewicht unter 750 kg und Motoboot der Kategorie D zugleich. Die Länge des Rumpfes ohne Deichsel beträgt 3,95 Meter. Das ist u.a. ein interessantes Produkt für Naturfotografen, die sich für die Flora und Fauna an Binnengewässern interessieren. Die Basisversion kostet knapp 40000 €. Das ist kein Schnäppchenpreis. Der E-Außenborder muss extra gekauft werden. Sicher genutzt werden kann der Sealander nur bis 0,3 Meter Wellenhöhe oder höchstens 0,5 Meter, wenn ein vorbeifahrendes Schiff sie erzeugt. Die vordere Klappe sollte man in Fahrt nur bei glattem Wasser öffnen.

Kümmerliche Reste der früheren Refit-Halle
Ein früheres Highlight war die Refit-Halle mit schönen alten Booten auf passender Auslegeware. Am Rand standen Spezialisten für Bootsanstriche oder besondere Holzsorten. Damals konnte man etwa sehen, wie zwei junge Männer eine Folie über den Rumpf eines kleinen Segelbootes zogen. Es gab etwas zu entdecken. Doch wo war das diesmal? Gerne hätte ich an den Ständen von Restube, Kuhnle oder MFT (Dieselpest-Beseitigung) erfahren, was es Neues gibt – aber ich fand sie nicht. Auch ein Bereich für Solarenergie und Lithiumbatterien wäre naheliegend gewesen, denn das Thema ist aktuell. Fehlanzeige!

Zwar gab es einen Stand von Victron, an dem ich mich nach dem Sinn eines SmartShunts erkundigen wollte, aber niemand war ansprechbar. Und wo war der große Stand des Berliner Wassersportverbands, an dem früher die Mannschaft von Boris Quiothek (EIS Versicherung / heute Sealogy) Pizza für die Gäste zubereitete und Austausch mit Wassersportakteuren ermöglichte?
Die alte Boot & Fun existiert in dieser Form nicht mehr. Den Begriff 'Fun' könnte man streichen. Wassersport ist nun eines von vier Themen unter dem Oberbegriff outVenture, zu dem auch Angeln, Caravan & Camping sowie Offroad & Nature gehören. Zwar war sie auch früher nicht alleiniger Bestandteil der Messe, doch Boote waren das Hauptthema. Früher wirkte alles vielfältiger und liebevoller kuratiert.
Wer im November 2025 ein Motorboot zwischen 100.000 und 200.000 € suchte, fand eine recht gute Auswahl. Am meisten lohnte sich die Messe jedoch für Interessenten an Wohnmobilen oder Dachzelten. Einen Bereich für Zelte, Schlafsäcke oder Luftmatratzen entdeckte ich dagegen nicht. Auch ein Stand mit verschiedenen Powerstations und faltbaren Solarpanels – beim Camping inzwischen sehr gefragt – fehlte.

Und was war mit „Offroad & Nature“ gemeint? Etwa die paar Stände mit dicken Jacken? Viele Bootsbesitzer suchen zudem immer noch nach einer Alternative zum früheren Antifouling-Anstrich VC 17. Doch wer informierte darüber und bot entsprechende Produkte an? Vielleicht habe ich den Stand übersehen.
Insgesamt hatte ich den Eindruck, dass die Veranstalter sich nicht ausreichend bemüht hatten, eine positive Stimmung zu erzeugen, die den überwiegend im Sommer genutzten Produkten gerecht wird. Natürlich kann niemand die Tageslänge oder das Wetter Ende November ändern, aber mit besserer Beleuchtung und einigen passenden Accessoires ließe sich die Atmosphäre sicher freundlicher gestalten.
Eine abschließende Bewertung der Wassersportpräsenz möchte ich nicht vornehmen, da es seit einigen Jahren die Verlagerung der Boot & Fun in den Sommer nach Werder zur Boot & Fun Inwater gibt. Möglicherweise ist eine Messebeteiligung im November für viele Akteure deshalb nicht mehr attraktiv. Man kann ihnen kaum zumuten, zweimal im Jahr in oder bei Berlin an einer Bootsmesse teilzunehmen . Das ist aufwendig, kostet Zeit und Geld. Die Akteure werden schon wissen, wo sich eine Teilnahme lohnt und wo nicht.