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Oxly - Boote



© Thomas Gade / Mai 2015 (aktualisiert 2026)

Dieselpest

Als Dieselpest bezeichnet man das Wachstum von Mikroorganismen (Bakterien, Hefen und Schimmelpilzen) im Dieselkraftstoff, das zur Bildung eines zähen Bioschlamms führt. Dieser Schlamm verstopft Filter, Leitungen und Einspritzdüsen und kann zum Motorausfall führen.

Dieselproben mit Bioschlamm
Vier verschiedene Dieselproben. Die drei linken stammen von Sportbooten und zeigen deutlich eine Schicht Bioschlamm am Boden. Rechts: Probe aus einem Wohnmobil.

Motorausfall durch Dieselpest

6. Oktober 2015 / Thomas Gade

Mitten in der Fahrrinne fiel der Motor plötzlich aus und das Boot trieb steuerlos. Glücklicherweise war kein anderes Schiff in der Nähe. Nach einer Weile sprang der Motor wieder an, doch kurz darauf ging er erneut aus. Die Ursache war zunächst unklar.

Erst nach mehreren Monaten und zahlreichen Fehlersuchen stellte sich heraus, dass im Dieseltank eine regelrechte „Flora und Fauna“ aus Mikroorganismen gedieh. Am Tankboden hatte sich eine dicke Schicht Bioschlamm gebildet, die schließlich das Sieb des Ansaugrohrs verstopfte.

Weil der Tank fest verbaut und schwer zugänglich war, musste zunächst ein fest eingebauter Kühlschrank ausgebaut werden, um überhaupt an eine Inspektionsöffnung zu gelangen. Erst dann konnte mit einer Pumpe Diesel vom Tankboden abgesaugt werden – statt klarem Kraftstoff kam eine schlammige Brühe zum Vorschein.

Der gesamte Diesel samt Bioschlamm wurde abgepumpt. In den Kanistern setzte sich der Schlamm ab, der klare obere Teil wurde gefiltert und mit einem Biozid (Grotamar) versetzt. Beim Nachtanken wurde auf C.A.R.E. Diesel oder – falls nicht verfügbar – auf Aral Ultimate umgestellt.

Motorausfall durch Mikroorganismen im Dieselkraftstoff

Boote ohne funktionierenden Motor sind nicht steuerbar und werden zum Spielball von Strömung, Wellen und Wind. Trotz guter Wartung kann es plötzlich zu einem Motorausfall kommen. Häufige Ursache ist die sogenannte Dieselpest: Der bioschlammige Belag verstopft zuerst das Sieb am Ansaugrohr und dann den Kraftstofffilter.

Bioschlamm am Ansaugrohr
Dieseltank mit Bioschlamm am Sieb des Ansaugrohrs.

Allgemeines zu Mikroorganismen im Kraftstoff

Kraftstoff gilt als giftig, daher unterschätzen viele Bootseigner, dass sich in ihren Dieseltanks Mikroorganismen ansiedeln können. Das Phänomen ist jedoch seit Ende des 19. Jahrhunderts bekannt. Bereits in den 1950er Jahren traten Probleme mit kontaminiertem Kerosin auf. Seit den 1970er Jahren sind Biozide erhältlich, um das Wachstum zu hemmen.

Mikroorganismen benötigen zum Wachsen Wasser und Kohlenwasserstoffe. Fossiler Diesel enthält maximal 0,2 ml Wasser pro Liter. Ein Teil davon ist gelöst, der Rest setzt sich am Boden ab. Viele Tanks haben einen Ablasshahn, zusätzlich gibt es meist einen Wasserabscheider vor dem Motor.

An der Grenzschicht zwischen Wasser und Diesel können Mikroorganismen besonders gut gedeihen. Durch die Beimischung von Biodiesel (FAME) hat sich das Problem in den letzten Jahren stark verschärft, da Biodiesel deutlich mehr Wasser aufnehmen und eine feine Emulsion bilden kann.

Wasser im Diesel

Laut Norm EN 590 darf fossiler Diesel bis zu 200 mg Wasser pro Kilogramm enthalten, Biodiesel bis zu 500 mg/kg. Biodiesel ist hygroskopisch und kann bis zu 5.000 mg/kg Wasser binden, ohne dass es sich absetzt. In der Mischung mit fossilem Diesel entsteht eine Emulsion mit fein verteilten Wassertropfen, die Mikroorganismen einen viel größeren Lebensraum bietet.

Herkömmliche Methoden wie das Ablassen von Wasser am Tankboden oder im Wasserabscheider wirken bei biodieselhaltigem Diesel nur begrenzt.

Lange Standzeiten begünstigen die Dieselpest

Saisonale Fahrzeuge wie Boote, Wohnmobile und landwirtschaftliche Maschinen mit langen Standzeiten sind besonders gefährdet. Durch Temperaturschwankungen gelangt über die Tankentlüftung Feuchtigkeit in den Tank und kondensiert an den Wänden. Bei Booten mit sparsamen Motoren kann eine Tankfüllung den ganzen Sommer halten – der Kraftstoff steht monatelang.

Boote im Winterlager
Von November bis April stehen viele Boote mit vollen Tanks an Land. Am Tankboden bildet sich im Laufe der Zeit eine immer dickere Schicht Bioschlamm.

Bei Wellengang werden die Schichten durchmischt. Das Ansaugrohr reicht tief in den Tank und saugt schließlich auch Schlamm mit an. Die feinen Siebe verstopfen, die Kraftstoffzufuhr wird behindert – bis der Motor ausgeht.

Was kann man tun?

Am besten saugt man am Ende der Winterpause den Diesel vom Boden ab und filtert ihn. Der klare obere Teil kann nach Zugabe eines Biozids wieder verwendet werden. Idealerweise wird der Tank vollständig entleert und gründlich gereinigt.

Bioschlamm im Wasserabscheider
Bioschlamm im Topf des Wasserabscheiders.

Kontaminierter Diesel
Kontaminierter Diesel aus einem Bootstank. Eine Stunde nach dem Abpumpen hat sich der Bioschlamm abgesetzt.

Dieselpest betrifft nicht nur Boote

Das Problem mit Mikroorganismen im Diesel ist bei weitem nicht auf Wassersport beschränkt. Auch in anderen Bereichen mit langen Standzeiten des Kraftstoffs tritt Dieselpest häufig auf:

Notstromaggregate & Notstromversorgung
In Krankenhäusern, Rechenzentren, Industrieanlagen und öffentlichen Gebäuden müssen Diesel-Notstromaggregate jederzeit startbereit sein. Lange Standzeiten und selten genutzter Kraftstoff führen hier besonders schnell zu Bioschlamm und Ausfällen – mit potenziell dramatischen Folgen.

Wohnmobile & Reisemobile
Gerade bei saisonal genutzten Wohnmobilen und Kastenwagen mit Diesel-Heizung oder -Motor entstehen durch monatelange Standzeiten ideale Bedingungen für Dieselpest. Viele Besitzer merken das erst beim ersten Tanken im Frühjahr.

Heizöl-Tanks (Heizöl EL)
Moderne Heizöl-Tanks in Ein- und Mehrfamilienhäusern enthalten oft Biodiesel-Anteile. Auch hier kann sich über den Winter Bioschlamm bilden, der Filter und Brenner verstopft und teure Heizungsausfälle verursacht.

Weitere betroffene Bereiche:
- Land- und Forstwirtschaft (Traktoren, Mähdrescher, Holzspalter) - Baugeräte und Baustellenfahrzeuge - Technikmuseen und Oldtimer mit langen Standzeiten - Schienenfahrzeuge und Lokomotiven mit Hilfsdieselmotoren

Tipp: Die in diesen Artikeln beschriebenen Maßnahmen (Kontrolle, Biozide, Tankreinigung, C.A.R.E. Diesel etc.) gelten sinngemäß auch für alle oben genannten Anwendungen.