Boote - Reparaturen und Instandhaltung
Sportboot richtig pflegen: GFK, Holz, Metall, Antifouling, Motorwartung, Elektrik, Feuchtigkeit und Persenning
© Thomas GadeDie Pflege und Wartung von Sportbooten umfasst eine Vielzahl von Bereichen, da Boote oft über mehrere Jahrzehnte genutzt werden und aus diversen Materialien bestehen. Sie altern, technische Komponenten verschleißen und äußere Einflüsse wie UV-Strahlung, Feuchtigkeit, Temperaturschwankungen und mechanische Belastungen wirken auf das Boot ein. Viele Eigner übernehmen einen Großteil der Arbeiten selbst, weil spezialisierte Fachleute teuer und auch nicht immer verfügbar sind. Man kann Boote nicht spontan in eine Werkstatt fahren wie Autos. Externe Dienstleister werden meistens nur hinzugezogen, wenn Probleme aus Zeitmangel, fehlendem Wissen oder aufgrund des Alters nicht (mehr) selbst gelöst werden können. Besonders ältere Boote, die während einiger Jahrzehnte bereits mehrere Eigner mit unterschiedlicher Bastelfreude hatten, zeigen typische Alterungserscheinungen. Die meisten Maßnahmen zur Instandhaltung und Pflege des Bootes lassen sich jedoch mit etwas Sachkenntnis, handwerklichem Geschick und auch mit Hilfe von Bootskollegen gut beherrschen. Den nötigen Aufwand für die Zeit und zum Lernen darf man allerdings nicht unterschätzen, weil es viele Bootstypen gibt und insbesondere bei älteren häufig die ursprünglichen Anleitungen gar nicht mehr vorhanden sind und die Produzenten teilweise schon gar nicht mehr existieren.
Metallteile an Bord sind anfällig für Rost, insbesondere wenn das Boot im Salzwasser liegt oder häufig der Feuchtigkeit ausgesetzt ist, was für jeden Dauerlieger im Wasser gilt. Rost kann sich an Schrauben, Beschlägen, Relingsstützen, Motorbauteilen oder Ankerketten bilden. Auch verdeckte Stellen wie Scharniere oder Halterungen sind betroffen. Wird Rost früh erkannt, lässt er sich meist gut entfernen, bevor er tiefer in das Material eindringt.
Bei GFK-Booten treten im Laufe der Zeit kleinere Schäden im Laminat auf, die durch Materialermüdung, das Begehen der Decks, Schläge, Scheuern oder Stöße entstehen können. Solche Beschädigungen sollten nicht unbeachtet bleiben, da Feuchtigkeit in das Laminat eindringen kann. Langfristig kann dies zu Osmose führen, einem Prozess, bei dem sich Flüssigkeit im Laminat ansammelt und Blasen unter dem Gelcoat entstehen. Osmose ist ein bekanntes Phänomen bei älteren GFK-Booten und sollte behandelt werden, damit sich die Schäden nicht ausbreiten. Das Gelcoat selbst dient als äußere Schutzschicht beim GFK und kann durch UV-Licht, Salzwasser oder mechanische Beanspruchung matt werden oder feine Risse entwickeln. Regelmäßige Pflege erhält die Oberfläche und erleichtert spätere Reparaturen.
Das Unterwasserschiff benötigt besondere Beachtung, da es ständig im Wasser liegt und Bewuchs anzieht. Ein jährlicher Anstrich mit Antifouling verhindert mehr oder weniger erfolgreich, dass sich Algen, Muscheln oder andere Organismen festsetzen. Welches Antifouling das richtige ist, hängt von vielen Faktoren ab. Je nach Fahrgebiet und Nutzungsdauer kommen unterschiedliche Antifouling-Systeme zum Einsatz. Ältere Boote haben meistens mehrere Schichten aus früheren Jahren. Es kann vorkommen, dass sie vollständig entfernt oder erneuert werden müssen, um eine gleichmäßige Oberfläche zu erhalten. Durch die Verwendung von Dünnschicht-Antifouling lässt sich das lange vermeiden. Beim Kauf eines alten Bootes sollte man immer erfragen, welcher Antifouling-Anstrich aufgetragen ist, damit der nächste Anstrich damit kompatibel ist. Dabei sind auch Gesetzesänderungen zu beachten, welche die weitere Verwendung bestimmter Produkte aus ökologischen Gründen untersagen können.
Vor dem Auftragen wird das Unterwasserschiff gereinigt und auf Schäden untersucht. Zur Reinigung werden oft Hochdruckreiniger mit kräftigem Wasserstrahl verwendet. Ist der Druck zu hoch, ist er eine Belastung für alte Holz- und GFK-Rümpfe sowie für angebaute Teile wie mechanische Geschwindigkeitsmesser. Schonender ist der Einsatz von Bürsten oder Holzspateln, um hartnäckigen Bewuchs (Muscheln) zu entfernen und ein Hochdruckreiniger mit reduziertem Druck.
Der Motor eines Sportbootes soll zuverlässig anspringen und darf unterwegs nicht ausgehen. Außerdem sollen Geräusch- und Abgasentwicklung möglichst niedrig sein. Regelmäßige Ölwechsel gehören zu den grundlegenden Arbeiten, da Motoröl mit der Zeit altert und seine Eigenschaften verliert. Allerdings ist es meistens nicht nötig, das jährlich zu machen. Hier wird sowohl übertrieben als auch vernachlässigt.
Der Impeller in der Seewasserpumpe, die Wasser zur Kühlung des Motors ansaugt, ist ein Verschleißteil und sollte regelmäßig kontrolliert werden. Wie oft, hängt von der Fahrleistung ab. Wer wenig fährt, kann das in Abständen von mehreren Jahren machen, aber wer viel fährt, prüft ihn mehrmals während der Saison. Das Gummi des Impellers verhärtet im Laufe der Zeit. Ein verhärteter oder beschädigter Impeller kann die Kühlleistung beeinträchtigen. Schmierfett wird an vielen beweglichen Teilen benötigt, etwa an der Lenkung, an Trimmmechanismen oder an der Wellenanlage. Die Stopfbuchse, die die Welle abdichtet, muss ebenfalls regelmäßig überprüft und gefettet werden, damit kein Wasser ins Boot eindringt und die Welle dennoch frei laufen kann.
Neben mechanischen Komponenten spielt die Elektronik an Bord eine wichtige Rolle. Viele ältere Boote wurden im Laufe der Jahrzehnte mehrfach umgerüstet, erweitert oder repariert, sodass heute häufig eine Mischung aus alten und neuen Stromleitungen, Ladetechnik und Verbrauchern vorhanden ist. Kabelverbindungen, Sicherungskästen, Schalter, Navigationsgeräte, Ladegeräte oder Bilgepumpen können altersbedingt Probleme verursachen. Lose Kontakte, Korrosion oder brüchige Leitungen treten durch Alter und Vibrationen auf. Die Eigner müssen elektronische Probleme oft selbst diagnostizieren und beheben. Dazu gehört das Nachverfolgen von Stromkreisen, das Ersetzen von Sicherungen, das Reinigen von Kontakten oder das Austauschen alter Kabel. Auch Batterien benötigen regelmäßige Kontrolle, da sie im Laufe der Zeit an Kapazität verlieren und bei unzureichender Ladung sulfatisieren können.
Feuchtigkeit ist ein ständiges Thema an Bord. In geschlossenen Kajüten, Stauräumen, an den Innenseiten von Glasfenstern oder in Bilgen sammelt sich leicht Kondenswasser, besonders in der kalten Jahreszeit oder bei wechselnden Temperaturen. Luftentfeuchter mit Salz helfen, die Luftfeuchtigkeit zu reduzieren. Sie arbeiten ohne Strom und eignen sich daher gut für Boote, die längere Zeit im Hafen liegen oder während des Winters an Land stehen. Durch die Senkung der Luftfeuchtigkeit lassen sich Schimmelbildung, muffige Gerüche und feuchte Polster vermeiden. Polster und Textilien sollten bei guter Witterung regelmäßig gelüftet werden.
Undichte Fenster sind ein häufiges Problem. Viele ältere Boote besitzen Fensterrahmen aus Aluminium oder Kunststoff, deren Dichtungen im Laufe der Jahre verhärten oder schrumpfen. Wasser kann dann bei Regen oder starkem Wellengang eindringen. Die Reparatur ist oft aufwendig, da eine vollständige Abdichtung meist nur durch den Ausbau des Rahmens und das Erneuern der Dichtungen erreicht wird. Provisorische Abdichtungen können kurzfristig helfen, ersetzen aber selten eine gründliche Überarbeitung. Auch Lukendeckel und Dachfenster können ähnliche Probleme verursachen, wenn die Dichtungen altern oder die Scharniere nicht mehr sauber schließen. Allerdings sollte man vor Reparaturen prüfen, ob wirklich eine Undichtigkeit vorliegt oder sich in der Kühle der Nacht Kondenswasser an den Scheiben bildet, das nach unten fließt. Die Spuren können irrtümlich für Undichtigkeiten gehalten werden.
Sicherheitsrelevante Komponenten wie Gasschläuche oder Treibstoffschläuche müssen regelmäßig überprüft werden. Undichte Schläuche stellen ein erhebliches Risiko dar und sollten sofort ersetzt werden. Gas- oder Kraftstoffgeruch ist ein zuverlässiger Hinweis darauf, dass eine Kontrolle notwendig ist. Auch die Befestigungen der Gas-, Treibstoff- und Wasserschläuche sollten regelmäßig überprüft werden, da Vibrationen während der Fahrt die Schellen lockern können.
Holzteile an Bord, etwa Handläufe, Sitzflächen oder Decksbeläge, sind empfindlich gegenüber UV-Licht und Feuchtigkeit. Der Lack verwittert im Laufe der Zeit, blättert ab oder wird grau. Regelmäßige Pflege erhält das Holz und verhindert, dass Feuchtigkeit eindringt. Bei älteren Booten wurden oft verschiedene Holzarten verwendet, die unterschiedlich auf Witterungseinflüsse reagieren. Eine sorgfältige Behandlung sorgt dafür, dass die Oberflächen stabil bleiben und nicht aufquellen oder Risse bilden.
Fender gehören zu den am stärksten beanspruchten Zubehörteilen. Sie schützen das Boot vor direkten Stößen gegen Steganlagen oder andere Boote. Sie kommen mit Schmutz, Algen oder Hafenanlagen in Kontakt. Schmutzige Fender können das Gelcoat verschmieren oder verkratzen. Eine regelmäßige Reinigung verhindert, dass sich hartnäckige Ablagerungen bilden. Viele Eigner reinigen ihre Fender während der Saison mehrfach, da sie schnell wieder verschmutzen.
Das Sommerverdeck beziehungsweise die Persenning aus Stoff und PVC-Fenstern ist in der Saison der Witterung ausgesetzt. Sonne, Regen, Wind, Salzwasser, Temperaturschwankungen und mechanische Belastungen wirken ständig auf das Material ein. Stoffe können ausbleichen, Nähte altern und Dichtbänder verlieren mit der Zeit ihre Elastizität. Reißverschlüsse können defekt werden. Jede Reinigung ist eine Belastung, aber im Winter sollte man das Sommerverdeck schonend reinigen, um Schmutz, Salzreste und organische Ablagerungen, die sich in Falten, Nähten oder an Scheuerstellen sammeln, zu entfernen. Für die Pflege eignen sich milde Reinigungsmittel, die das Gewebe nicht angreifen. Nach der Reinigung sollte eine wirksame Imprägnierung aufgetragen werden, damit das Material wasserabweisend bleibt und Feuchtigkeit nicht so leicht eindringt. Auch die Fensterfolien im Verdeck benötigen Aufmerksamkeit, da sie durch UV-Licht spröde werden oder durch falsche Reinigungsmittel und Imprägniermittel ermatten können. Reißverschlüsse sind ein Schwachpunkt. Wenn sie beschädigt sind, lassen sie sich oft einzeln austauschen, ohne dass das gesamte Verdeck erneuert werden muss. Die Persenning sollte trocken verstaut werden, da feuchtes Material Schimmelbildung begünstigt und unangenehme Gerüche entstehen können. Eine gute Belüftung während der Lagerung verhindert, dass sich Feuchtigkeit im Stoff hält und sorgt dafür, dass das Material länger frisch und belastbar bleibt. Während der Saison kann eine Plane als Schutz über dem Verdeck gespannt werden. Das ist unter anderem empfehlenswert, weil in manchen Häfen Vögel wie Fischreiher auf den Bootsverdecken stehen, sich mit den Krallen ihrer Füße festhalten und Kot hinterlassen.
Nicht zuletzt muss man sich auch um den Trailer, Böcke oder die Winterabdeckung kümmern. Diese Teile müssen funktionieren und im Sommer irgendwo gelagert werden.
Die Pflege eines Sportbootes ist eine kontinuierliche Aufgabe, die sich über die gesamte Nutzungsdauer erstreckt. Da Boote oft über fünfzig Jahre oder länger genutzt werden, fallen im Laufe der Zeit viele individuelle Besonderheiten auf. Wer sein Boot gut kennt, kann viele Probleme frühzeitig erkennen und beheben. Die regelmäßige Kontrolle aller Bauteile, von der Elektrik über das Laminat bis hin zu Schläuchen, Fenstern und Polstern, ist für die Zuverlässigkeit des Bootes wichtig. Die Kombination aus handwerklichem Geschick, technischem Verständnis, dem nötigen Geld und der Zeit sowie Aufmerksamkeit für Details ermöglicht es, Boote lange in einem guten Zustand zu halten.






