Oxly Boote

Bootsverdeck imprägnieren


© Thomas Gade / 2016

Nach dem Waschen eines Bootsverdecks ist der Stoff zu imprägnieren, um ihn wasserundurchlässig und unempfindlich gegen Nässe zu machen. Eine gute Imprägnierung verbessert nicht nur den Schutz der unter der Persenning befindlichen Dinge, sondern ist auch eine Maßnahme zur Verbesserung der Haltbarkeit des Gewebes und behindert seine Verschmutzung.

Faserfüllende Imprägnierung

Bootsverdecke, Markisen und Zeltplanen, die einen großen Teil des Jahres der Witterung ausgesetzt sind, werden am besten mit einer faserfüllenden Imprägnierung, die UV-beständig und wasserdicht ist, behandelt. Faserfüllend bedeutet, dass das Imprägnierungsmittel in die saugfähigen Fäden des textilen Gewebes eindringt und sie zudem noch umhüllt. Dadurch wird der Stoff insgesamt wasserdicht und seine Fasern quellen nicht durch Wasser auf. Das erleichtert die Trocknung und behindert die Schimmelbildung, die sonst an feuchten und schwer trocknenden Gewebestellen auftreten kann.

Moderne Persenningstoffe bestehen aus Polyester mit Polyurethanbeschichtung. Baumwolle wird kaum noch für neue Stoffe auf Sportbooten verwendet, es sei denn traditionsbewußte Eigner ziehen das Material aus Gründen der Authentizität vor. Aber es gibt noch alte Textilien aus Baumwolle auf Booten, beispielsweise das Oberdeck von alten Faltbooten. Baumwolle verrottet im Gegensatz zu modernen Materialien bedeutend rascher und wird eher durch Schimmel angegriffen.

Klassisches Imprägnieren

Schon lange behandelt man Stoffe mit Fetten, Öl, Teer und Wachs, Mischungen aus Terpentin und Sojaöl um sie wind- und wasserundurchlässig zu machen. Alternativ kann man Stoffe mit Waschpulver und Alum behandeln. Solche Methoden sind im Einzelfall durchaus brauchbar, aber in vielen Bereichen längst überholt. Klassische Imprägnierungen können das Aussehen der behandelten Materialien verändern. Reibt man Wachs in einen Stoff und bügelt ihn anschließend mit geringer Hitze, bekommt die Oberfläche ein wachsartiges Aussehen. Aber bei den meisten zu imprägnierenden Materialien ist eine sichtbare Veränderung unerwünscht und alte Imprägnierungen halten oft nicht lange.

Anforderungen an eine moderne Imprägnierung

Eine Imprägnierung soll das Gewebe regendicht machen und ihre Haptik sowie ihr Aussehen nicht verändern. Zudem soll sie lange wirksam bleiben und muss Wasserdampf durchlassen, damit Feuchtigkeit verdunsten kann. Sie soll auch Schimmel und Algenwuchs im Gewebe verhindern. Eine moderne Imprägnierung, die diese Anforderungen erfüllt, ist Prägnolin Ultra. Der Hersteller garantiert eine 5 jährige Wirksamkeit und geht je nach Beanspruchung von einer bis zu 30 jährigen Haltbarkeit aus.

Gegenüberstellung

  Klassische Imprägnierung Prägnolin Ultra
Mittel Fett, Öl, Wachs, Teer, Alaun
Mischungen aus Terpentin und Sojaöl,
Silicium Keramik
Änderung Haptik JA (außerAlaun) kaum
Änderung Aussehen JA (außer Alaun) nein
Haltbarkeit Kurz. Man muss immer wieder nachbehandeln 5 Jahre garantiert, bis 30 Jahre
Schimmelschutz unterschiedlich JA (biozidfrei)
Algenschutz unterschiedlich JA (biozidfrei)

Prägnolin Ultra Sprühflasche Imprägnierung
Prägnolin Ultra eignet sich zum Imprägnieren von Textilien: Markisen, Sonnenschirme, Bootsverdecke, Persenninge, Schuhe

Prägnolin Ultra

Hersteller MTS - Schimmelschutzservice
Bezeichnung Prägnolin Ultra
Verbrauch 10-30 ml/qm
Besonderheiten Waschmaschinenfest, abriebfest, Flammschutz, UV-beständig, schmutzabweisend
Mengen Preise (Stand 3 / 2016)
500 ml Sprühflasche 32,55 €
1000 ml Sprühflasche 58,90 €
5 Liter Kanister 230,25 €

Wie imprägniert man richtig?

Bei Bootsverdecken, Zelten, Markisen und ähnlichen Stoffen wird auf beiden Seiten Prägnolin aufgetragen. Man beginnt auf der Innenseite. Das findet im Freien bei Temperaturen über 0°C statt. Dabei darf es nicht regnen. Die Trockenzeit beträgt bei 0°C mindestens 12 Stunden und bei 20° C vier bis fünf Stunden.

Sprühflasche und Pinsel

Vorab ein Hinweis zur Sprühtechnik. Die mitgelieferten Sprüher haben neben 'OFF' (verschlossen) Einstellungen für einen dünnen Strahl und einen breiten Strahl. In beiden Fällen pumpt man die gleiche Menge Flüssigkeit heraus. Mit dünnem Strahl, kann man mit einer Flasche weniger Stoff benetzen als mit dem breiten Sprühstrahl.


FALSCH: Schmaler Sprühstrahl

RICHTIG: Breiter Sprühstrahl

Beim Sprühen geht einiges Imprägniermittel verloren, unter anderem weil am Rand zwangsläufig einiges daneben geht. Auch verteilt der Sprühstrahl die Flüssigkeit ungleichmäßig. Alternativ könnte man das Imprägniermittel mit einem Pinsel auftragen, doch geht das nur, wenn der Stoff stramm auf einer glatten Unterlage liegt. Am besten sprüht man das Mittel auf den Stoff. Dabei bilden sich mancherorts Tropfen oder gar Pfützen. Mit einem breiten Pinsel streicht man darüber und verteilt damit die Flüssigkeit gleichmäßig.

Prägnoling wird mit dem Pinsel verteilt
Das aufgesprühte Prägnolin Ultra wird ohne Druck mit einem breiten Pinsel verstrichen.
Damit verteilt man Imprägniermittel in Tropfen und Pfützen auf größere Flächen.

Atemmaske und Handschuhe

Wir raten auch hier zum Gebrauch einer einfachen Atemmaske und zu Gummi- oder Latexhandschuhen, um das versprühte Imprägniermittel nicht einzuatmen und auf die Haut zu bekommen.

Keine Imprägnierung auf PVC-Fenstern lassen

Das Imprägniermittel sollte nicht auf die PVC-Fenster kommen, weil es das Material schädigt. In der Praxis lässt es sich jedoch nicht vermeiden und stellt kein Problem dar, wenn die Fenster rasch gereinigt werden.

Wirkung

Prägnolin Ultra imprägniert gut. Das kann man bereits nach der Behandlung der Innenseite erkennen. Möchte man am Tag darauf die Außenseite imprägnieren, bilden sich Tropfen, die zunächst gar nicht in den Stoff eindringen wollen. Wir haben sie mit einem Pinsel verteilt, bis die Oberfläche gleichmäßig benetzt war und der Stoff sich feucht anfühlte und auch so aussah. Bereits die Imprägnierung von der Innenseite bewirkte, dass die Außenseite kaum noch Flüssigkeit aufnimmt.

Unser Bootsverdeck wurde einige Tagen nach dem Imprägnieren aufgespannt und war kurz darauf einem heftigen Regen ausgesetzt. Überraschung: So ganz dicht war das Verdeck nicht, ein feiner Sprühregen drang in den darunterliegenden Raum ein.

Unter dem Verdeck bildete sich ein feuchter Überzug und stellenweise bildeten sich Tropfen. Deswegen wurde das Verdeck mit Imprägniermittel aus der Drogerie (Spraydose / 3 €) nachbehandelt, bis es dicht war.

Daher überzeugte Prägnolin Ultra uns nicht. Gemäß Herstellerangaben und positiven Berichten in Foren hatten wir eine bessere Wirkung erwartet. Vielleicht passte unser Persenningstoff nicht richtig zum Imprägniermittel, aber andererseits handelte es sich dabei nicht um ein exotisches Material, sondern um Gewebe, aus dem viele Bootsverdecke bestehen. Leider kennt man oft die konkrete Bezeichnung des Stoff seines Bootsverdecks nicht. Da eine Imprägnierung in der Regel bei einem gebrauchten Bootsverdeck von den Eignern vorgenommen wird, können einige Jahre seit der Herstellung verstrichen sein und Unterlagen, aus denen eine präzise Materialangabe hervorgeht, existieren bis dahin gar nicht mehr. Das erschwert Recherchen darüber, ob ein bestimmtes Imprägniermittel optimal zu einem Gewebe passt.

Fazit

Viele Bootsfahrer empfehlen Prägnolin, das einen guten Ruf genießt. Es ist relativ teuer. In unserem Fall funktionierte die Imprägnierung nicht wie gewünscht und wurde mit billigem Imprägnierspray aus der Drogerie verbessert. Wir wissen nicht, ob Prägnolin bei älterem Gewebe, welches im Laufe der Zeit mehrfach behandelt wurde, nicht immer im gewünschten Maße wirkt oder ev. von uns ein Stoff behandelt wurde, der nicht so gut zu Prägnolin passt. Versuchen Sie daher präzise zu ermitteln, aus welchem Stoff Ihr Bootsverdeck gemacht wurde, um Erkundigungen für eine optimale Imprägnierung einzuholen.